Unterhalb des Regenbogens

Eine Zeitlang lag ich auf der Couch, da ich heute kein Auge zutat, für keine Sekunde in den Schlaf fand, gleichwohl habe ich nachgedacht, dabei auch manchmal geschmunzelt, weil mir ein paar nette, drollige, auch unterhaltsame Anekdoten von früher eingefallen sind jene wir erlebten.
Gestern habe ich Bananenpuddingkekse mit Cappuccinoschokostückchen gebacken, leider nur für mich alleine, da mir niemanden geblieben ist, den ich einladen kann, dennoch hat es mich gleich an unseren ersten Backtag erinnert und in der Nase trage ich noch den frisch-warmen Geruch der Cupcakes. Der fluffige Teigduft ist mir im Gedächtnis erhalten geblieben. Was hatten wir für einen Spaß, Du hast soviel gelacht und mich dabei angesteckt. An diesem Nachmittag nach der Schule haben wir uns mit Mehl bestäubt, es uns scherzhaft zugepustet, nicht weil es einen Sinn machen sollte, es hat sich einfach so ergeben und vieles muß gar keinen Ernst verfolgen, solange wir hinterher Bauchweh vor Lachen bekamen. Deine Stimme höre ich noch, dein helles Glöckchenklingeln als seist Du eine noble Fee mit schneeweißen Händen als Du mein Gesicht mit Mehl betupft hast. Wir haben uns albern aufgeführt wie Kleinkinder, aber es war uns egal, wir hatten unsere Freude daran, nährten den lauten Lachanfall und somit habe ich diese Erinnerung noch immer in mir behalten als wir es mitten im Sommer in der Küche schneien ließen.
Wir haben gekichert, gefiept, gekreischt und alles zugleich, so daß sogar Deine Eltern nur noch den Kopf ob unsres kindlichen Treibens geschüttelt haben, aber wir ließen uns davon nicht abbringen. Je mehr ich Dich erwischte, umso schneller wolltest Du es mir heimzahlen und bist mit Deinen zarten Mehlhänden auf mich losgestürmt, hast mich festhalten, mir etwas in die Haare, ins Gesicht gerieben und mitten im Spiel sind wir schließlich umgekippt und am Hintern gelandet. Müde sind wir liegengeblieben, haben uns weiter gefreut, wobei ich Dir so gerne beim Lachen zugehört habe, es mir die größte Freude bereitete Dich glücklich zu sehen und es hat mein Herz warm erfrischt und meine Augen stets erhellt.
Deine Mum hat plötzlich in die Küche geguckt, ihre Nase hochgestreckt und gemeint, es rieche hier leicht verbrannt. Sogleich sind wir hoch, hin zum Ofen gestürmt und ein Blick durch das verglaste Sichtfenster ließ uns handeln, aber es ist nochmals alles gutgegangen, die süßen Cupcakes sind nicht dunkelbraun oder gar verbrannt geworden, sie haben ausgezeichnet, köstlich, deliziös geschmeckt -, das mußten sogar Deine Eltern zugeben. Zwar sind wir keine Konditormeister gewesen, jedoch haben wir uns an unsren gebackenen Leckerbissen immerzu genüßlich übertroffen!

Ganz beiläufig, es fällt mir wieder ein, muß ich nun an den Tag zurückdenken als wir zum ersten Mal eine Kokosnuß kauften und darüber rätselten wie wir am Besten die harte Schale aufbekommen sollten. Das Rätsel stellte uns einerseits vor einer großen Aufgabe und andrerseits haben wir uns scheckig gelacht, weil wir uns wie die ersten Menschen anstellten, jedoch fanden wir unsere Unbeholfenheit urkomisch und sicher hätten wir das Problemchen auf hunderterlei Wege lösen können, aber wir waren dermaßen im Lachkrampf, in unsrer Albernheit gefangen, daß ich eine Bohrmaschine holte und oberhalb ein Loch in die Kokosnuß stieß -, denke ich nun zurück, muß ich mich tadelnd an den Haaren ziehen -, somit konnten wir zuerst die beinhaltete Milch abfüllen. Du hast Dich vor Lachen gar nicht mehr eingekriegt und ich hab mich gar nicht konzentrieren können und wie sollten wir die Nuß spalten, überlegte ich mit einem Hammer aber das ergebe eine schöne oder besser häßliche Schweinerei, also probierte ich es mit einem Spaltkeil und einem Hammer. Wir benutzten wirklich die primitivsten Werkzeuge und Instrumente und unsere Einfälle rückten weitab von Logik und Vernunft. Wir wollten auch gar nicht logisch oder vernünftig sein, weil wir derartig aufgekratzt waren, völlig in unsrem dämlichen Tun beschäftigt und für den nächsten Schultag hatten Leesha und ich eine recht abenteuerliche Geschichte zu erzählen. Titel: „Der Kampf mit der Kokosnuß!“ Während Du ein ganz rotes Gesicht vor Lachen bekommen hast, mußte ich mich auf den Schlag fokussieren, da ich doch die Spaltkeil-Hammer-Methode anwenden wollte, jedoch setzte ich mehrfach ab, Du wolltest nicht zum Lachen aufhören und mir rann schon der Schweiß über die Stirn. „Schlag zu! Schlag zu! Sie läuft dir schon nicht weg!“, hast Du gerufen, mich nicht aus- sondern angelacht, mich durch Deine Zurufe angefeuert und dabei habe ich den Faden verloren, erneut den Schlag verzögert weil ich nun Tränen lachte und mir völlig aus dem Konzept geworfen vorkam.
Schlußendlich schaffte ich es mit Mühe und Not, dabei faßte ich mir ein Herz und einen klaren Augenblick für den Hieb, und siehe da, ich hatte die Nuß halbiert und Du hast applaudiert, laut in die Hände geklatscht als hätte ich soeben einen tollkühnen Zaubertrick als Bravourstück umgesetzt.
Und im nächsten Augenblick gab es lecker Kokosnuß, dessen Fruchtfleisch wir noch zusätzlich abkratzten, und wir schmatzten dann Beide froh und breit bis in die Backen hochgrinsend. Der Triumph war gelungen, der Kampf gegen die fiese Kokosnuß gewonnen und ich war fix und fertig!

Unser letztes Weihnachten! Wir haben den prächtigen Baum in violett und gold geschmückt, Glitter und Kugeln, er sah wie ein majestätischer Verkünder aus wie er unter der Deckenlampe im Vorraum stand, edel, hoheitsgebietend, ehrfürchtig und von solch einer warmherzigen Tradition.
Da meine Eltern nichts von mir wissen wollten, sie mich sozusagen von sich, ihrer/unsrer Familie abschnitten, habe ich das Fest der Liebe und der Freude, der Eintracht und Familie bei Dir und Deinen Eltern feiern dürfen. Der Verhandlungsweg war zwar zu Anfang, die Jahre davor auch steinig aber kompromißbereit gewesen, so daß wir ein heimeliges, einhelliges und gütiges Weihnachten zu feiern imstande gewesen sind.
Hier habe ich mich aufgehoben gefühlt, weil Deine Eltern letztlich Deinem Urteil sowie Deinem Herz vertrauten, auf daß ich ebenso hörte wie Du meinem stets gelauscht hast. Wir haben sogar gesungen, ja Weihnachtslieder unterm Baum, zwar nicht gut, etwas schief, allerdings war es doch der Gedanke jener zählte und wenn wir auch nicht jeden Ton trafen, was soll’s, es ließ unsre Brust barmherzig anschwellen und allein in Deinen Augen mich erkennen, ließ für mich das größte, heiligste Weihnachtswunder wahrwerden, denn Du bist mein Stern hin zum Glück gewesen. Nie habe ich etwas Helleres und Vollkommeneres gesehen, und unsere Zukunft leuchtete greller noch wie die Lämpchen am Weihnachtsbaum!
Mein Herz legte ich Dir zu Füßen und dies war das wertvollste Geschenk, was ich Dir machen konnte, da ich Dir mein Eheversprechen schon Monate davor mitteilte, Dir damals den goldenen Ring für die Dauer meines Antrages an den Finger steckte bis wir es im darauffolgenden Jahr amtlich, also offiziell, machen wollten. Doch, mag es auch noch hinne gewesen sein, wir fühlten uns bereits als Frau und Frau, als das glücklichste Paar hier auf Erden, wandelnd unter einer goldenen Sonne, die unseren Weg beschien, die Schatten vertrieb und die Düsternis kämpferisch fortscheuchte.
Wir neckten uns manchmal spielerisch als hielten wir bereits die Urkunde, den Trauschein, in Händen und waren im nächsten Moment wieder ernst und bei der Sache, mitten im Leben, bodenständig und voller Zukunftsglauben. Von keiner üblichen kirchlichen Hochzeit sprachen bzw. schwärmten wir, nein, wir ersannen eine Gartenhochzeit unter einem frühlingshaft florgeschmückten Baldachin. Eine wahrlich himmelsgleiche Zeremonie, davon träumten wir, redeten oft darüber, stellten es uns in Gedanken vor, spielten die Szenen und zählten die Tage bis dahin ab.
Eine Trauung mit einem weißen Schleier, der Dich Prinzessin krönen sollte, doch Du warst längst meine Königin, tief in der Seele und im Herzen!

Jetzt, lasse ich das letzte Jahr Revue passieren, werde sentimental, dann traurig und trauervoll zugleich, spüre die Tränen mir feucht auf den Wimpern sitzen, die sich lastenvoll anschicken und wehmütig mir unaussprechliche Pein verursachen. Wie unser Glück, unser Frieden endet, damit hätte niemand gerechnet, niemand erahnte den Schrecken jenes Tages und ich…ich habe jeden Tag die Bilder vor Augen, sie verfolgen mich wie ein albtraumhaftes Gespenst, ein grausamer Dämon, der seine dunkle Klaue nach mir ausstreckt. Und immer wieder sehe ich die letzten Szenen, die letzten Augenblicke, Deine Worte bevor…und dieses engelsfromme, reine und unschuldige Lächeln auf Deinen blutigen Lippen.
Leesha…ich möchte es erahnen, ich will es wissen, daß Du mit unseren Träumen eingeschlafen bist und von nichts anderem hast Du geträumt, und doch ist auch an jenem Tag ein Teil von mir mit Deinem letztverklungenen Herzschlag gestorben. War unser Leben, unsere gelebten Träume zu sehr dem Himmel nah und deshalb verdammt? Machten wir das Schicksal, gar die Engel selbst dermaßen eifersüchtig auf unser irdisches Glück?

26.3.15 13:42

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