Die Hoffnung leidet Atemnot! (Es wird mir alles zuviel!)

Von vorgestern auf gestern habe ich nicht geschlafen, darum dachte ich mir – wider besseren Wissens -, ich schlucke Schlaftabletten weil ich mir völlig von der Welt enthoben, vom Bewußtsein losgelöst vorkam, schwammig auf den Beinen und sumpfig im Kopf als verschlammen sämtliche Gedanken in einer dicken breiig gerührten Tiefe jene es mir unmöglich macht einen Blick in etwas Klarheit zu schaffen, da ich sonst in meine Einzelteile zerfiel. Der gestrige Tag war schlimm, allein weil ich sonst mental völlig aufgerieben war, gedankenvoll und –belastet, bekam ich gräßliches Kopfweh als sei ich in einen Schraubstock gespannt und zudem andere weniger vorteilhafte Zustände hinzu bis diese aufgenötigte, schwerfällige Unpäßlichkeit mir durch den gesamten Tag hindurch in einer lähmenden Übelkeit folgte und meine Fußsohlen wanderten empfindlich auf einem Nagelbrett sowie auf glühende Kohlen. Dazu schlich diese schmerzliche Erschöpfung hinter mir her, stieß mich nieder, wollte über mich herfallen jedoch wollte mein Körper nicht nachgeben, er blieb hartnäckig, ließ mich weiterwachen wobei ich völlig in mir drinnen schon zusammensank, wie eine Karte einknickte, mir alle Knochen wehtaten und ich kam mir wie ein Uhrwerk zerlegt vor. Alles lag irgendwie herum und ich erstickte an den eigenen Gedanken, da ich sonst mit niemanden reden konnte, außer mit dem großen eisernen Schweigen hier.
Heute bin ich gen fünf Uhr aufgewacht, ging ich gestern früh schlafen, und das Erste was meinem anfälligen Körper einfiel war auf die Toilette zu eilen und zu erbrechen. Wahrscheinlich hatte ich zuviel von den Schlaftabletten eingenommen, kann sein, weis nicht, jedenfalls wollte ich bloß meine Ruhe haben, schlafen, innerlich Frieden erwirken und was bekam ich stattdessen: den renitent martialischen Aufruhr all meiner Organe!

Du hättest Dich neben mich gesetzt, mir die Haare zurückgehalten, Deinen Arm mir um die Schultern gelegt, aber wenn ich ehrlich bin, wärest Du an meiner Seite gewesen und trennte uns nicht dieser dunkle Graben, so käme ich nie auf den Einfall mir mehrere Schlaftabletten einzuverleiben!
Im unaufhaltsamen Wandel der Wirklichkeit, darauf wie die Dinge verlaufen haben wir nicht immer Einfluß, oder Leesha? Es passiert soviel im Laufe der Zeit und wir können bloß zusehen, müssen es ertragen – Opfer bringen, Tränen weinen – bis wir selbst keinen Ausweg mehr wissen!

Genauso ergeht es mir jetzt, da ich nicht mehr weiter weis, keine Tür mehr offen steht und seit vorigem Jahr schleiche ich durch dieses dornige, schmerzbesetzte Labyrinth aus dem es kein Entkommen gibt. Mit wem soll ich reden, es ist niemand zugegen, da mir meine Eltern weil sie unsre Beziehung ablehnten, schon vor Jahren uns entschieden den Rücken kehrten, sich nicht meldeten, und uns gewissermaßen aus ihrem Leben vollständig verbannten. Wenn die eigenen Eltern sich abwenden, sich einem verweigern, nur weil sie selbst zu archaisch veranlagt sind und in ihrer konservativen, stoischen Einstellung in jeder klaren Einsicht gegen die Gefühle ihres Kindes wettern, aber ich will niemanden mehr mit Vorwürfen begegnen, dies habe ich schon vor Jahren aufgehört weil es schlußendlich nur noch mehr Klüfte zwischen den Parteien schaffte. Aber es tut weh, es schmerzt, wenn die eigene Familie einen verstößt, nur wenn man gegen deren konventionelle Ansichten eine Zukunft errichten will.
An Bekannten und Freunden ist niemand geblieben, seitdem sie mich im Krankenhaus haben liegen sehen ist ihre Anzahl ständig geschwunden und ich weis, ich kann es mir denken, sie geben mir die Schuld, ansonsten kann ich mir deren aus Abstand ausgerichtetes Verhalten nicht anders erklären. Sie haben mich nicht besucht als ich im Koma lag, da ich anschließend bei den Ärzten nachfragte; aber nur Deine Eltern sind ein paar Mal dagewesen, haben sich gekümmert, sich gesorgt, bis auch sie mein von Dutzenden an fremdartigen Maschinen bewachtes Bett in der Leere des Krankenhauszimmers haben stehen lassen. Obwohl ich schlief, irgendwie habe ich diese Einsamkeit selbst im Tiefschlaf noch tiefer gespürt!
Habe ich es verdient, daß sie mich meiden, links liegen lassen, mir ihre Aversion so offen zeigen, und sich völlig von mir abnabeln? Im Grunde habe ich mir stets die Ausflucht vorgehalten, es ist ihnen alles über den Kopf gewachsen, all der plötzlich aufgetretene Schmerz, aller schwerer Verlust, er ist in einer tosenden Welle über sie alle hereingebrochen, jedoch gerade in dieser Zeit und der Zeit danach hätte ich eine helfende Hand benötigt, die mich aufrichtet, bei mir am Bett sitzt, redet, bloß eine vertraute Stimme, um nicht in dieser Finsternis gänzlich die Orientierung zu verlieren. Da war kein Licht am Ende des Tunnels, keine segensreiche Erscheinung, nur eine weite tiefe Kälte jene namenlos zu mir sprach.
Hinterher ist es mit dem „Apoplektischer Insult“ noch isolierter für mich geworden. Als ich zu mir kam bzw. wieder einigermaßen nach einem langwierigen aufwändigen Prozeß klar zu denken fähig war, meine geistige Befähigung soweit nach schweren Strapazen genesen, habe ich den auferlegten, auf mich eingewirkten Druck des alltäglichen Alleinseins deutlich gespürt, wenn die gesichtslosen Zimmerwände näherrücken und einer schwarzen dicken Lawine gleich über einen hereinbrechen. Die Tage sind lang im Krankenhaus, die Nächte noch länger und zum Glück bekam ich regelmäßig meine Schlaftabletten, sonst hätte ich mehr Zeit in dieser unsäglich traurigen nach unten führenden Spirale verbracht. Doch die schwermütigen Tage konnte mir niemand von den Schultern nehmen, die ich zwar als akute Maßnahme der Rehabilitation ca. sechs Wochen bei den stationären Physios verbrachte, bei logopädischen Therapien – um meine eingetretenen Funktionsstörungen zu behandeln -, und dennoch eilten die Gedanken einem schrill und kreischend durch den Kopf, da der Verstand einem Dampfhammer gleich niemals stillsteht, er rumpelt und poltert bis man innerlich nur noch am Schreien ist. Niemand hört einen, die Ärzte spulen ihr Programm ab, die Therapien verlaufen nach Schema F, und in mir drinnen sank ich mehr und mehr zusammen, weil es mir vorkam als wende sich die Welt plötzlich von einem ab. Von einem Tag auf den Anderen war ich wieder allein! All die Monate ohne Besuche, all die gedankenschweren Aufgaben ohne eine hilfreiche Stütze, ein herzliches Auffangnetz, wodurch mein Sturz abgefedert wird, hat mich innerlich schwergetroffen und mich in eine dunkle Phase meines Lebens vor meinem Leben zurückkatapultiert – bevor ich auf Leesha traf. Bevor ich anfing wirklich zu leben, zu atmen und vor allem zu Sein!

Du bist in meinen Armen gestorben…dabei wollten wir doch zusammengehen, gemeinsam sterben, wenn wir alt und grau sind, umgeben von unsren Liebsten wie wir es besprochen haben. Sterben, wenn wir Großeltern sind, unsere Enkelkinder gesehen haben, soweit sind unser Glück auf einer neuen himmlischeren Ebene fortzuführen; nicht Dekaden davor, wo uns das Schicksal plötzlich diesen düstren Riß im Dasein bescherte.
Damals im Spital nachdem ich soweit wieder ansprechbar war, brauchte es mir niemand zu sagen, es hat mir auch niemand gesagt, da ich es gewußt und als ich aus dem Koma erwachte, gefangen in meinem eigenen Körper durch den nächsten periodischen grauenhaften Schock, welcher noch vor dem langen künstlichen Tiefschlaf bei mir erfolgte, weil mein geplagter Körper mit dem plötzlich losgelassenen Grauen, diesem unfaßbaren Schrecken nicht anders umzugehen wußte als mich hinter diesen dumpfen Wall des Selbstschutzes wegen zu stecken damit ich weniger fühlte als ich fühlen wollte, es weniger schmerzte als ich Schmerz empfand. Selbst wenn das künstliche Koma durch Medikamente gesteuert wird, durch eine Hochdosis zu Anfang, habe ich im Laufe meiner über vier Wochen geträumt, obwohl viele Wahrnehmungen mitunter seltsam bizarr, grotesk, beinah übersinnlich waren, jedoch kehrten diese in mir abgelagerten, aus den letzten Momenten mitgenommenen, Empfindungen stets zu mir zurück – eine von hoffnungsloser Finsternis begleiteten Berg- und Talfahrt! Die letzten trostlos, leidvollen Sekunden bevor es mir völlig schwarz vor Augen geworden ist, dieser entscheidende Einschnitt im Hiersein welcher gegen die Gebote des Lebens selbst rebelliert als habe mir die Fügung einst helles Glück und Freude, nun einen diabolischen Dämon an die Seite gestellt, der seine rabenschwarzen Schwingen auf mir abgelegt hat. Die Hölle fand in mir drinnen statt, verschlingende Feuer, gellendes Schreien gefolgt von einer tiefen sinistren Stille, die einem weiten gierigen Maul gleich sein Kiefer spreizt, um auch den Rest von meiner Seele zu verzehren. Geweint habe ich viel, ob davor oder danach!
Selbst jetzt bin ich am Weinen, laufen mir die warmen nassen Tränen in Strömen, da ich vieles nicht verstehe und doch begreifen muß, aber ich habe keine Kraft mehr um mit dem Schmerz in mir umgehen zu lernen – es ist zuviel, vielzuviel! Die kargen monotonen Wände, all die Verschwiegenheit welche von den Ecken tropft sowie die Menschen jene mich seit Damals in diesem unglaublich anhaltenden Schmerz allein zurückgelassen haben, nicht reagieren, wobei wir in solch dunklen verletzlichen Stunden wie zuvor als Familie zusammenstehen sollten. Familie bedeutet, daß durch Einsicht und Vernunft, das Verstehen für Andere auch das eigene Leid weniger an schmerzhaftem Gewicht besitzt indem man Lasten abgeben kann, um nicht vollkommen daran zu verzagen.
Davon ist mir nichts geblieben, weder Bekannte, Freunde noch Familie und wenn ich mich umsehe – Jetzt in meinem Leben – finde ich darin auf meinen Wegen nichts Wertvolles mehr, wenn das Gesicht der Sonne Schatten zeigt und mehr als Kummerwolken sich vor das Licht schiebt.

Ich will mir nicht mehr diese Ketten anlegen, Angst haben, warten bis mich die Zeit verschlingt, wenn ich selber die Zeit bestimmen kann und darf, den Zeitpunkt wählen, wann ich mit Dir mein Engel wieder vereint bin, denn wir wollten gemeinsam leben, wir wollten als ein altes glückliches Paar gemeinsam sterben, doch das Schicksal verwehrte uns diesen Wunsch, aber heute werde ich dem Schicksal einen Gefallen tun!
Leesha, ich schicke Dir diese Zeilen hoch in den Himmel, doch Du wirst nicht lange auf mich warten müssen!
Mein Herz schlägt nun friedlich, auch ist meine Sehnsucht für Dich unsterblich, aber beides ist unendlich!
ICH LIEBE DICH!

Shane

1 Kommentar 27.3.15 09:04, kommentieren

Unterhalb des Regenbogens

Eine Zeitlang lag ich auf der Couch, da ich heute kein Auge zutat, für keine Sekunde in den Schlaf fand, gleichwohl habe ich nachgedacht, dabei auch manchmal geschmunzelt, weil mir ein paar nette, drollige, auch unterhaltsame Anekdoten von früher eingefallen sind jene wir erlebten.
Gestern habe ich Bananenpuddingkekse mit Cappuccinoschokostückchen gebacken, leider nur für mich alleine, da mir niemanden geblieben ist, den ich einladen kann, dennoch hat es mich gleich an unseren ersten Backtag erinnert und in der Nase trage ich noch den frisch-warmen Geruch der Cupcakes. Der fluffige Teigduft ist mir im Gedächtnis erhalten geblieben. Was hatten wir für einen Spaß, Du hast soviel gelacht und mich dabei angesteckt. An diesem Nachmittag nach der Schule haben wir uns mit Mehl bestäubt, es uns scherzhaft zugepustet, nicht weil es einen Sinn machen sollte, es hat sich einfach so ergeben und vieles muß gar keinen Ernst verfolgen, solange wir hinterher Bauchweh vor Lachen bekamen. Deine Stimme höre ich noch, dein helles Glöckchenklingeln als seist Du eine noble Fee mit schneeweißen Händen als Du mein Gesicht mit Mehl betupft hast. Wir haben uns albern aufgeführt wie Kleinkinder, aber es war uns egal, wir hatten unsere Freude daran, nährten den lauten Lachanfall und somit habe ich diese Erinnerung noch immer in mir behalten als wir es mitten im Sommer in der Küche schneien ließen.
Wir haben gekichert, gefiept, gekreischt und alles zugleich, so daß sogar Deine Eltern nur noch den Kopf ob unsres kindlichen Treibens geschüttelt haben, aber wir ließen uns davon nicht abbringen. Je mehr ich Dich erwischte, umso schneller wolltest Du es mir heimzahlen und bist mit Deinen zarten Mehlhänden auf mich losgestürmt, hast mich festhalten, mir etwas in die Haare, ins Gesicht gerieben und mitten im Spiel sind wir schließlich umgekippt und am Hintern gelandet. Müde sind wir liegengeblieben, haben uns weiter gefreut, wobei ich Dir so gerne beim Lachen zugehört habe, es mir die größte Freude bereitete Dich glücklich zu sehen und es hat mein Herz warm erfrischt und meine Augen stets erhellt.
Deine Mum hat plötzlich in die Küche geguckt, ihre Nase hochgestreckt und gemeint, es rieche hier leicht verbrannt. Sogleich sind wir hoch, hin zum Ofen gestürmt und ein Blick durch das verglaste Sichtfenster ließ uns handeln, aber es ist nochmals alles gutgegangen, die süßen Cupcakes sind nicht dunkelbraun oder gar verbrannt geworden, sie haben ausgezeichnet, köstlich, deliziös geschmeckt -, das mußten sogar Deine Eltern zugeben. Zwar sind wir keine Konditormeister gewesen, jedoch haben wir uns an unsren gebackenen Leckerbissen immerzu genüßlich übertroffen!

Ganz beiläufig, es fällt mir wieder ein, muß ich nun an den Tag zurückdenken als wir zum ersten Mal eine Kokosnuß kauften und darüber rätselten wie wir am Besten die harte Schale aufbekommen sollten. Das Rätsel stellte uns einerseits vor einer großen Aufgabe und andrerseits haben wir uns scheckig gelacht, weil wir uns wie die ersten Menschen anstellten, jedoch fanden wir unsere Unbeholfenheit urkomisch und sicher hätten wir das Problemchen auf hunderterlei Wege lösen können, aber wir waren dermaßen im Lachkrampf, in unsrer Albernheit gefangen, daß ich eine Bohrmaschine holte und oberhalb ein Loch in die Kokosnuß stieß -, denke ich nun zurück, muß ich mich tadelnd an den Haaren ziehen -, somit konnten wir zuerst die beinhaltete Milch abfüllen. Du hast Dich vor Lachen gar nicht mehr eingekriegt und ich hab mich gar nicht konzentrieren können und wie sollten wir die Nuß spalten, überlegte ich mit einem Hammer aber das ergebe eine schöne oder besser häßliche Schweinerei, also probierte ich es mit einem Spaltkeil und einem Hammer. Wir benutzten wirklich die primitivsten Werkzeuge und Instrumente und unsere Einfälle rückten weitab von Logik und Vernunft. Wir wollten auch gar nicht logisch oder vernünftig sein, weil wir derartig aufgekratzt waren, völlig in unsrem dämlichen Tun beschäftigt und für den nächsten Schultag hatten Leesha und ich eine recht abenteuerliche Geschichte zu erzählen. Titel: „Der Kampf mit der Kokosnuß!“ Während Du ein ganz rotes Gesicht vor Lachen bekommen hast, mußte ich mich auf den Schlag fokussieren, da ich doch die Spaltkeil-Hammer-Methode anwenden wollte, jedoch setzte ich mehrfach ab, Du wolltest nicht zum Lachen aufhören und mir rann schon der Schweiß über die Stirn. „Schlag zu! Schlag zu! Sie läuft dir schon nicht weg!“, hast Du gerufen, mich nicht aus- sondern angelacht, mich durch Deine Zurufe angefeuert und dabei habe ich den Faden verloren, erneut den Schlag verzögert weil ich nun Tränen lachte und mir völlig aus dem Konzept geworfen vorkam.
Schlußendlich schaffte ich es mit Mühe und Not, dabei faßte ich mir ein Herz und einen klaren Augenblick für den Hieb, und siehe da, ich hatte die Nuß halbiert und Du hast applaudiert, laut in die Hände geklatscht als hätte ich soeben einen tollkühnen Zaubertrick als Bravourstück umgesetzt.
Und im nächsten Augenblick gab es lecker Kokosnuß, dessen Fruchtfleisch wir noch zusätzlich abkratzten, und wir schmatzten dann Beide froh und breit bis in die Backen hochgrinsend. Der Triumph war gelungen, der Kampf gegen die fiese Kokosnuß gewonnen und ich war fix und fertig!

Unser letztes Weihnachten! Wir haben den prächtigen Baum in violett und gold geschmückt, Glitter und Kugeln, er sah wie ein majestätischer Verkünder aus wie er unter der Deckenlampe im Vorraum stand, edel, hoheitsgebietend, ehrfürchtig und von solch einer warmherzigen Tradition.
Da meine Eltern nichts von mir wissen wollten, sie mich sozusagen von sich, ihrer/unsrer Familie abschnitten, habe ich das Fest der Liebe und der Freude, der Eintracht und Familie bei Dir und Deinen Eltern feiern dürfen. Der Verhandlungsweg war zwar zu Anfang, die Jahre davor auch steinig aber kompromißbereit gewesen, so daß wir ein heimeliges, einhelliges und gütiges Weihnachten zu feiern imstande gewesen sind.
Hier habe ich mich aufgehoben gefühlt, weil Deine Eltern letztlich Deinem Urteil sowie Deinem Herz vertrauten, auf daß ich ebenso hörte wie Du meinem stets gelauscht hast. Wir haben sogar gesungen, ja Weihnachtslieder unterm Baum, zwar nicht gut, etwas schief, allerdings war es doch der Gedanke jener zählte und wenn wir auch nicht jeden Ton trafen, was soll’s, es ließ unsre Brust barmherzig anschwellen und allein in Deinen Augen mich erkennen, ließ für mich das größte, heiligste Weihnachtswunder wahrwerden, denn Du bist mein Stern hin zum Glück gewesen. Nie habe ich etwas Helleres und Vollkommeneres gesehen, und unsere Zukunft leuchtete greller noch wie die Lämpchen am Weihnachtsbaum!
Mein Herz legte ich Dir zu Füßen und dies war das wertvollste Geschenk, was ich Dir machen konnte, da ich Dir mein Eheversprechen schon Monate davor mitteilte, Dir damals den goldenen Ring für die Dauer meines Antrages an den Finger steckte bis wir es im darauffolgenden Jahr amtlich, also offiziell, machen wollten. Doch, mag es auch noch hinne gewesen sein, wir fühlten uns bereits als Frau und Frau, als das glücklichste Paar hier auf Erden, wandelnd unter einer goldenen Sonne, die unseren Weg beschien, die Schatten vertrieb und die Düsternis kämpferisch fortscheuchte.
Wir neckten uns manchmal spielerisch als hielten wir bereits die Urkunde, den Trauschein, in Händen und waren im nächsten Moment wieder ernst und bei der Sache, mitten im Leben, bodenständig und voller Zukunftsglauben. Von keiner üblichen kirchlichen Hochzeit sprachen bzw. schwärmten wir, nein, wir ersannen eine Gartenhochzeit unter einem frühlingshaft florgeschmückten Baldachin. Eine wahrlich himmelsgleiche Zeremonie, davon träumten wir, redeten oft darüber, stellten es uns in Gedanken vor, spielten die Szenen und zählten die Tage bis dahin ab.
Eine Trauung mit einem weißen Schleier, der Dich Prinzessin krönen sollte, doch Du warst längst meine Königin, tief in der Seele und im Herzen!

Jetzt, lasse ich das letzte Jahr Revue passieren, werde sentimental, dann traurig und trauervoll zugleich, spüre die Tränen mir feucht auf den Wimpern sitzen, die sich lastenvoll anschicken und wehmütig mir unaussprechliche Pein verursachen. Wie unser Glück, unser Frieden endet, damit hätte niemand gerechnet, niemand erahnte den Schrecken jenes Tages und ich…ich habe jeden Tag die Bilder vor Augen, sie verfolgen mich wie ein albtraumhaftes Gespenst, ein grausamer Dämon, der seine dunkle Klaue nach mir ausstreckt. Und immer wieder sehe ich die letzten Szenen, die letzten Augenblicke, Deine Worte bevor…und dieses engelsfromme, reine und unschuldige Lächeln auf Deinen blutigen Lippen.
Leesha…ich möchte es erahnen, ich will es wissen, daß Du mit unseren Träumen eingeschlafen bist und von nichts anderem hast Du geträumt, und doch ist auch an jenem Tag ein Teil von mir mit Deinem letztverklungenen Herzschlag gestorben. War unser Leben, unsere gelebten Träume zu sehr dem Himmel nah und deshalb verdammt? Machten wir das Schicksal, gar die Engel selbst dermaßen eifersüchtig auf unser irdisches Glück?

1 Kommentar 26.3.15 13:42, kommentieren

Was ist nur los mit mir?

Schlaflosigkeit, mehr ist von dieser Nacht nicht geblieben, obwohl ich es versuchte, mir Mühe gab, für Stunden im Bett lag und die Augen geschlossen hielt, jedoch, trotz allem angestrebten Tun, bin ich kläglich gescheitert. Zuviel ging in mir vor und dabei meine ich nicht das seit zwei Tagen anhaltende Kopfweh, sondern geistig bin ich rastlos, mental zu ratlos und seelisch in ein bodenloses Loch gefallen. In mir schaue ich soviel an woran ich verzagen muß und doch mich aufrappeln will, um nicht gänzlich meiner fatalen Schwäche zu unterliegen, die ich in Zaum halten will, damit ich mir zu keiner Zeit den Spiegel vorhalten muß. Sicher, ich weis, daß ich jämmerlich bin, daran gibt es keine Fakten zu rütteln, denn es geschieht um mich herum die nahtlos geschlossene Wirklichkeit jene mir fraglos all ihre offensichtliche Wahrheit blendend vorhält, daß es mir die sensiblen Augen verglüht und den labilen Verstand verbrennt. Und diese unbändige, in mir wütende Angst, wovor es kein Entrinnen gibt bleibt persistent, bleibt allmächtig, sonst läge ich nicht bang zitternd unter die Decke verkrochen. Alles dröhnt, rumort, poltert und strömt zeitgleich auf mich ein, daß ich mir wie von wilden Wassern tief hinuntergezogen vorkomme und davongeschwemmt werde. Mir ist übel, ein Würgereiz reibt in der Kehle und mein Magen spielt total verrückt, alle Knochen wollen mir wehtun als sei ich von fiesen Stacheldraht umwickelt, werde zerstochen, wundgescheuert, hinter einer fahrenden Kutsche hergezogen bis sich mir langsam die Haut vom Fleisch abreibt. Und schließe ich die Lider schlägt mein Kreislauf gegen die Wände – als sei er in eine Waschmaschine gesteckt -, innerlich laufe ich die Wände hoch wie eine Maus, die in der Falle sitzt, panisch wird, voll Furcht und Hektik aufgerieben, als sitze mir ein arglistiger, dämonischer Schatten im Nacken jener nicht mehr von mir abläßt, sich einen düstren Heidenspaß mit mir erlaubt, wenn er mich weiter über die Stunden hinweg dermaßen quälen kann.
Mein Herz schlägt so schnell, so hart, daß ich meinte gleich ersticke ich und da niemand hier ist, nur die Dunkelheit herum mich wie ein eisiger eiserner Mantel klammernd einschließ, bin ich ohne Rhythmus am Atmen als sei ich mit dem Kopf unter Wasser gedrückt und drohe jeden Moment zu ertrinken. Dieses dumpfe Gefühl ist herrisch, ist dominant, füllt mich aus und in mir tobt solch eine Allgewalt worauf ich keinen Namen finde, nur noch rasch mit den Augen das finstre Zimmer absuche, wobei die einzige Lichtquelle der Bildschirm meines Laptops bildet. Mein Körper ist steif, ist lahm, ist schlaff, will mir nicht gehören – als sei ich fremd, nur zu Besuch - und doch ist dieser drahtig heiße Schmerz in mir, der mir solch ein grenzenloses Unbehagen beschert. Als sei ich in ein auswegloses Labyrinth geworfen, verschollen in meiner Unzulänglichkeit, in meiner Fehlbarkeit, in meiner Unterlegenheit für die Realität in der ich atme und existiere. Als sei ich mächtiger Daumen auf mir gelandet, der mich hinab in den allwissenden Staub drückt damit ich dort mein Dasein wiederfinde, fester und immer fester bis ich meine, eine Plastiktüte sei mir übers Gesicht gestülpt und obwohl ich es besser weis, kann ich nicht frei atmen und mit jedem nächsten rasenden Pulsschlag wird mir kälter und extrem furchtsamer. Ich habe Angst…da sind so viele Dinge, die mich zittern lassen, mich innerlich in eine karge, trist-traurige Kerkerzelle einsperren und der Schlüssel ist längst fortgeschmissen. Auch wenn ich an schöne Dinge denken will, erhabenes fühlen will, kehre ich immer wieder – als sei jede bunte Empfindung nichts mehr wert – zum unheilvollen Ausgangspunkt zurück, als habe nichts mehr einen sichtbaren Sinn.
Was ist nur los mit mir? Zwischen all meinen Tränen weis ich nicht mehr klarzusehen und der Nebel wird dichter, wird gesichtsloser und enger!

26.3.15 05:33, kommentieren

Bücher unsrer Herzen

In meinem Leben habe ich schon viel gelesen, quer durch die Jahrhunderte, und einige Werke gehen einen richtig nahe ans Herz, hinterlassen Spuren, tiefe Eindrücke, noch tiefere Einblicke, als ob sich in einigen Zeilen der Himmel mit der Erde versöhnt hätte wie in den Werken von Sibylla Schwarz als Beispiel, John Keats, Lord Byron, es gibt so viele jene hier in Ehren – auch in Ehrfurcht - genannt werden können, und lasse ich sämtliche Werke von Edgar Allan Poe außen vor, die einen wesentlichen literarischen Abdruck bei Leesha und mir hinterlassen haben – da wir uns zumeist antiquarischen Folien und Schriften zuwandten –; sollte ich in einem tiefbetroffenen Atemzug ebenso, um der emotionalen Rührseligkeit willen, „Das Tagebuch der Anne Frank“ erwähnen, oder auch „Elaine Hain“ von Elaine Hain oder auch „Das Tagebuch der Chantal Schwartzin“ von Chantal Schwartzin und auch „Lilienfeuer“ von Valerie Lilienthal, ebenso „Achtste-groepers huilen niet“ von Jacques Vriens. Viele Bücher, vor allem wahre Begebenheiten stimmen einen grüblerisch, regen zum Selbsterforschen an, prägen einen, ob „Four Fairies“, „Freak High“, und vor allem veröffentlichte Tagebücher wie jenes von Lieke van der Linden. Gewisse Niederschriften, die tief hinter die Brust eindringen, zum nachvollziehbaren Nachdenken anregen sind schriftliche Geschenke jene diese Menschen uns Menschen gemacht haben und blicke ich ins Bücherregal, dort wo sie alle stehen, haben Leesha und ich uns in so manchen Werken auf diversen Ebenen wiedergefunden, und bis zuletzt haben wir darüber gerätselt ob die gerade Mal minderjährige Autorin Lilly Rose aus „Lilly im Rechenreich“ wirklich damals zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts hin ihr Abenteuer in jenem phantastisch bebilderten, grandios-unglaublich geschilderten Abenteuerland tatsächlich erlebt hat oder ob sie bloß einen Traum aufschrieb? Den Nachfolgeband „Lilly zwischen den Zeilen“, den Lilly damals mit dreizehn oder vierzehn Jahren geschrieben haben soll, entdeckten wir per Zufall am Flohmarkt, Leesha und ich wollten ihn gemeinsam lesen, doch nun – nach dem letzten Jahr – halte ich es für falsch und irgendwie auch pietätlos, wenn ich das Buch ohne Leeshas Hiersein aufschlage, um herauszufinden, ob die sagenumwobenen Gerüchte stimmten oder bloß berüchtigt sind? Einige Bücher erwecken eine schleichende unbegreifliche Ängstlichkeit!
Viele Bücher, die wir im Laufe der Jahre angesammelt haben, kann ich mitnichten mehr öffnen, weil sie zuviel an Erinnerungen wecken, so auch „Little Virgin Angel“ von Angelia Klein, was in mir, denke ich zurück, noch immer eine recht bedrückt unheimlich gebietende Stimmung auslöst. Man blickt auf die Zeilen, die sich unverstaubt im Gedächtnis noch festgebannt wiedergeben und weis um deren doloröse Wirkung, was die dornige Traurigkeit in einem selbst nährt, ob es nun am Schreibstil liegt, der ähnlich einer knallenden Feuerpeitsche offene Wunden zurückläßt oder der beklemmende, schier fassungslose Inhalt des Tagebuchs welcher einen nach Zuschlagen der letzten Seite schockiert dasitzen läßt.
Nach dem Lesen von „Nelanie“ von Nelanie Jung-Jones war Leesha den halben Tag lang nicht ansprechbar, weil ihr die Zeilen des Tagebuchs des damals gerade Mal vierzehnjährigen Mädchens nahe gingen, sie innerlich berührten, und sie brauchte viele Stunden bis sie wieder klar wurde, sie ihre aufgeriebenen Gedanken beruhigte, ihre Emotionen ausbalancierte, weil sie es nicht fassen konnte, daß ein Mädchen, jünger als wir es sind, solch einen namenlosen, unaussprechlichen, gar widernatürlichen Schrecken in ihren jungen Jahren erfahren und erlebt hat. Es hat lange eine drahtige Schlinge um ihr Herz gezogen, Leesha hat dabei völlig apathisch und in sich gekehrt gewirkt, und dabei habe ich sie vorgewarnt, daß sich einige Bücher, die nicht auf der kommerziellen Bestsellerliste stehen, anders lesen und auch eine ganz eigene psychedelische, seelisch-hypnotische und auch düster-grausame Wirkung haben, und daher nicht in allen Buchhandlungen zu finden sind.
„Was mag wohl aus dem Mädchen geworden sein?“, saß Leesha am Fenster, blickte tieftraurig zu mir her und stellte mir die Frage bewußt.
Hierauf hätte ich gerne eine Antwort gewußt, zu gerne, doch leider war ich ratlos. „Ich weis es nicht“, gab ich schließlich von meiner eigenen Unwissenheit überrumpelt zurück, „dasselbe habe ich mich bei Zoey Cunningham, die „In Every Time“ ihre Erinnerungen aufschrieb, gefragt. Ich denke, bei vielen Fragen, die wir uns stellen, gibt es keine Antworten, wir werden mit einem Fragezeichen zurückgelassen und müssen mit dieser Lücke weiterleben.“ Danach, ich weis es noch, bin ich näher an sie herangetreten, legte meiner lieben Leesha einen Arm um die Schulter und sie gab meinem leichten Druck nach, schmiegte sich an meinen Körper, da ich wieder Frieden in ihr Innerstes bringen wollte, und darum sinnierte ich lauch weiter: “Es läßt zwar viel Freiraum für Spekulationen aber gerade deswegen, weil es so viele Variablen gibt, können wir ihnen nur die besten Wünsche schicken, daß ihr Leben nach alledem eine glücklich gefügte und positive Wendung genommen hat“, habe ich Leesha damals mitgeteilt, ihr zu verstehen gegeben was ich dachte, wie sehr ich mir für alle Menschen auf Erden jene ein zuvor schrecklich erhaltenes Los zogen ein umso fröhlicheres, verheißungsvolleres Happy End unter einem erbarmungsvollen Stern wünschte. Dies mochte ich herbeisehnen!
An Leesha sah ich einzelne Glitzertränen hängen, die ihre Wimpern schön und auch im Lichtspiel des Tages wundervoll zierten, als sie tröstlich aufseufzte, kurz hin zum Fenster gewendet wohl die eben vorbeigezogenen Wolken musterte, ihre Vielzahl überflog, bis sie mir abermalig ihr niedlich-hübsches Gesicht zudrehte, welches einer engelszarten Porzellanpuppe glich aber dennoch ihre ganz eigenen, lieblich-faszinierenden Züge besaß, wodurch sie im eben hereingeflossenen Fensterschein zu flirren schien; jedoch das Irisieren ihrer grünen Augen reichte mir völlig aus, um zu verstehen, unser nächstes Gefühl zu teilen, daß nicht alles auf diesem schönen, blauen, blühenden Planeten dem Untergang geweiht sein kann. „Ja, ganz bestimmt“, ließ sie ihre Stimme zu mir harfensanft tönen, „ich glaube auch, daß sie alle ihre Bestimmung gefunden haben.“

An diesen Tag denke ich gerne zurück, an diesen und so viele andere märchenschöne und einzigartig träumerische Erlebnisse mit Dir, wo wir mehr denn je danach trachteten unser Schicksal selbst in die Hände zu nehmen und angespornt durch das erreichbare Bewußtsein einer gemeinsamen Zukunft haben wir ganz fest an uns geglaubt und mag es auch oft schwer gewesen sein – schwer ist es oft gewesen – haben wir unsre schlechten Tage wie ein Gewitter vorbeiziehen lassen, da wir wußten, nach solch einem Düstertag dürfen wir trotzdem unsre Träume weiterhin festhalten, weil wir Hand in Hand durchs Leben gehen sowie mitten im glühend-heißen, gesegneten Sonnenstrahl unsrer ewigen Liebe stehen!

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Einer dieser Nächte…

Mitten im zusammengebrauten, aufgedunsenen Wogensturm meiner Gedanken ist es für mich kein Neues, kein Unbekanntes, wenn ich mehr als die Hälfte der Nacht wachliege, mich herumwälze, hinter den schweren Lidervorhängen eine Welt in den Welten betrachte und dabei mich sosehr nach der Vergangenheit sehne, die rein in der Erinnerung nur mehr in all ihrer Wunderbarkeit, all ihrer Schönheit wahrhaftig greifbar ist – als stehe ich auf einer lichtdurchflossenen Kuppel tastend nach einem Sonnenstrahl – und dabei ist diese Gegenwart wie ich sie kenne, sie erfahren muß alles andere als ein helles Fleckes, ein farbenfroher Lebensatem jenen ich tief in meinen Körper, in meine Seele, in mein Herz aufnehmen darf, weil selbst unter einem ätherisch aufgeweichten, weißbetupften blau-luftigen Seidentuch mir vor Kälte und Angst die Knie schlottern. So ist es mir auch heute Nacht ergangen, daß ich mit angezogenen Beinen bis hoch zur Brust dagelegen bin, zitterte, mir der Winter meiner Seele erneut solch ein klammes, allumfassendes frostiges Brausen bescherte, bis ich meinte, ich liege nackt und schutzlos mitten auf einer eisigen Decke im Freien, auf einer harten schroffen Schicht, einem Grabstein nicht unähnlich und sehe kein Sternfunkeln unter mir widergespiegelt. 
Mein Herz war ein Rausch, welcher mir die Brust zerdrückte als liegen Tonnen auf mir und nicht selten bekam ich keinen Atem zu fassen, der sonderbar aus mir gewichen und im gesamten Zimmer schnappte ich nach Luft, tat heftigst daran als sei ich obwohl ich unter der Zudecke mich verkrochen, irgendwie unter Wasser geraten, wo ich eine merkwürdige, gar gefährlich bedrohliche Schwere auf mir lasten spürte, die mich weiter und weiter hinunterzog, je mehr die Stunden ihren Abschluß fanden und für mich dennoch sie mit neuen Plagen eröffneten, damit ich ihrer in aller Demut und Gefangenschaft gewahrte. Ähnlich wie zwischen zwei Seiten gepreßt, die des Lebens und die des Todes, kam ich mir klein sowie kümmerlich vor, und aller tiefgehend ausgebreitete Gram blieb mir teilhaftig, gehörte er in seinem aufgeworfenen Verhängnis – in seiner großen demonstrativen Allgewalt – zum unmißverständlichen Winkelzug des Schicksals, zum schmerzlichen Vermissen und zur täglichen Verzweiflung.
Im Grunde, gestehe ich es mir ein, habe ich zwar oftmals in aller aufgezwungenen Bedrücktheit, ähnlich eine Kralle mir ihre Absicht an die Kehle setzt, daran gedacht, es mir eingekehrt vorgeführt, wiewohl ich es lieber einträchtiger mir mit jeder Empfindung vorgeflüstert hätte, jedoch weis ich um die schier grenzenlose Düsternis in meinem Inneren jene ich seit vorigem Jahr wie eine finstere Krankheit in mir herumschleppe. Hätte mir jemand voriges Jahr im Januar gesagt, daß ich derlei niederstreckende, destruktive sowie doloröse Gemütswindungen in mir zurechtsinne oder als Teil meiner Gefühle stricken werde, mit lautschallenden Lachen und wahren Argwohn wäre ich dieser Person begegnet und strafte ihn als törichten Narren. Doch mittlerweile steckt dieser brennende Dorn zutief in meinem Herzen und die Aussicht auf den Tod wird zur Erlösung!
Leesha und ich haben manchmal darüber gesprochen, nicht der orkus’schen Sehnsucht willen, sondern allgemein weil wir über alles redeten und dieses Thema fiel ganz unwillkürlich, ohne Vorwarnung und dennoch interessierten uns die Ansichten des jeweilig Anderen in diesem Kontext.
„Das Leben ist ein flüchtiger Moment im gesamten Kreisel der Zeit“, äußerte Leesha seinerzeit und brachte mich gleich zum Nachdenken. „Wir sind nur für einen Hauch hier, als ob das Universum kurz ausatmet und einen raunenden Abdruck hier auf Erden mit uns zurückläßt.“
Die bildhafte, auch schwermütige Vorstellung hatte ihre mortale Besonderheit an sich, dies mußte ich zugeben. „Alles unterliegt den Gesetzen der Vergänglichkeit“, teilte ich meine Anschauung mit, da wirklich nichts von Bestand ist, sondern dünn wie eine Seifenblase, „aber gerade weil wir wissen, es wird alles vergehen, sollten wir die Zeit umso intensiver hier auf Erden nutzen, um in jedem denkbaren Augenblick soviel Glück als möglich aus einem Herzschlag zu ziehen“, ließ ich eine empfindsame Regung zurück, die sie mit einem Wimpernschlag aufgriff, mich tief ansah, dabei ein zartes Lächeln formte und dabei weis ich noch – ja, so war es gewesen – wir saßen am Balkon unsrer Wohnung, während die Sonne mittags halbgesenkt über die florgeschmückte Brüstung schien, es uns den Geruch von Kräutern herwehte, die andere Mieter unterhalb im ihrem kleinen Stück Eigengarten anbauten – überall lag solch ein duftendes Wohl in der Luft, anheimelnd, wodurch es in der Nase spaßhaft kitzelte.
„Das Leben ist eine große Aufgabe“, führte sie weiter teils philosophisch aus, beschränkte sich nicht nur auf ontologische Mutmaßungen oder fragile Experimente, sondern sie definierte vor mir ihre klar erkennbaren, würdevoll ausgelegten Werteziele. „Gerade weil wir leider wissen, daß wir die Vergänglichkeit nicht aufhalten können, ist es ein umso prachtvolleres Geschenk jeden Tag nach utilitaristischen Maßstäben zu leben.“
Hier mochte ich ihr recht geben, fand ich alle mir aufgeschlossene, offenkundige Wahrheit in ihren zauberhaften grünen Augen, die wie friedsam entnebelte Smaragde dalagen, mich betrachtete und ich wünschte mir ein Funkeln in diesen Augen zu sein, bloß für einen Moment, doch als sie sie leicht ihren Mund öffnete, ihr schon zuvor feenhaftes Lächeln noch malerischer pinselte, glitzerte tatsächlich mehr in ihrem Blick auf als sie sich enger an mich kuschelte und wir den Tag samt seinen lauen sanften Brisen als naturverpacktes Geschenk mit unsrer Zweisamkeit dankten.
„Das ist das Schöne am Leben, nicht zu wissen, was als Nächstes passiert, obwohl wir viele Dinge beeinflussen können, bin ich froh darüber, daß manche Begebenheiten ihren Lauf nehmen und einen hinterher die Überraschung fast schon überirdisch niedlich einem gemacht wird.“ Leesha war warm, ich spürte ihre Hände auf meinen, ihr Körper war weich wie frühlingshaftes Wiesengras und ihren Herzschlag hören, es hat mich stets in Bann geschlagen, mir das Leben faßbar gemacht. „Es gibt so vieles, was wir noch nicht dort draußen entdeckt haben“, flüsterte sie gemächlich, ganz zukunftsträchtig mit ihrer zarttönenden Stimme, die mich immerzu betörte und vielleicht auch deswegen erinnere ich mich an so viele ihrer Worte. „Es macht einen Angst und fröhlich zugleich zu wissen, daß unser ganzes Leben auf einen wartet, und irgendwann werden wir als alte Leutchen im Bett liegen, unsere Enkelkinder laufen um uns herum, und dann werde ich immer noch deine Hand halten und glücklich sein.“
Ihr Denken, ihre Zukunftsschau beeindruckte mich immer wieder aufs Neue, Leesha hat mich jeden Tag immer mehr fasziniert. „Wir haben noch soviel vor, unsere Geschichte hat gerade erst begonnen und mit jeder Zeile, die wir neu hinzufügen, können wir sie mit soviel Glück und Freude ausfüllen“, habe ich ihr vergewissert, ihr meinen großen, unseren großen Traum sichtbar gemacht, der schon längst in ihrer prächtig angefüllten Herzensschatzkammer ruhte. „Du hast das Schönste in mir zum Vorschein gebracht, Leesha, mir gezeigt, daß trotz aller Widrigkeiten nicht alles verloren ist, wir zusammengehören und wir uns gegenseitig ergänzen, weil wir jeweils ein Teil des Anderen sind“, öffnete ich vor ihr wie sooft mein Herz, entblätterte es gerne, nahm ihre Güte darin auf, ihre kosige Wärme, ihre spürbare Nähe samt ihrer unvergleichlichen Zartheit.
Leesha hob ihr Kinn, ich sah eine Lichtsense einige Schatten an ihrem hübschen Gesicht zertrennen, als sie teils melancholisch und auch voller Frohgemut mir mit einem elfenhaften, hoheitsvollen, najadenlieben Antlitz begegnete. „Denkst du“, begann sie zögerlich und für kurz war ihr Lächeln verschwunden, welches aber genauso schnell wieder auf ihrem liebreizenden Portrait vor mir erschien als habe sich nur flüchtig eine Wolke vor die Sonne geschoben, „das dieser Teil in uns, der uns Jetzt und Hier verbindet, auch nachdem wir sterben noch zueinanderfinden wird, auch wenn wir ausgelöscht sind?“, ihre Gestalt nahm ich damals in Augenschein wie ein gesegnetes Altarbild, eine feine lichterne Offenbarung.
„Natürlich!“, setzte ich mit festeren Ton an, dies wollte ich ihr mitteilen, ihren Glauben bestärken, uns selber mehr Mut für die Zukunft machen, „wir Leben mit Achtung, weil wir wissen wie kostbar ein gegebener Moment ist, wie sehr er unserem Sein seine Würde verleiht, indem wir alles daran tun, um diesen Wert für uns und für das Leben selbst aufrecht zu erhalten.“ Dann begann ich kurz zu überlegen, doch sprach ich nachher keinen Gedanken aus, sondern eher das erstbeste und redliche Gefühl in mir legte ich ihr offen dar: „Gerade, wenn man weis, das Ende, diese von uns gefürchtete Vergänglichkeit ist unausweichlich, ist das Leben umso ehrbarer, umso unschätzbarer und man sollte keine Angst haben zu sterben, denn viele Menschen haben Angst davor überhaupt zu leben. Nicht der Tod ist entscheidend, Leesha, sondern das Leben und nur solange wir diesen Weg folgen, wir uns in Liebe, Treue, Sorgsamkeit und uns täglich um diese Werte bemühen leben wir richtig und wahr!“
Woher diese Worte kamen, sie in mir zum Vorschein traten, habe ich nicht lange nachsinnen müssen, denn sobald ich Leesha anblickte, dieses für mich vollkommene Mädchen, sie, dieser Engel mit dem ich mein weiteres Dasein hier auf Erden verbringen wollte, floß es heiß und ehrlich aus mir wie eine frisch ersprossene Quelle. Jedes Wort meinte ich wie ich es gesagt, da gab es nichts zu rütteln, darin lag all meine für sie vergoldete Tugend, all mein Fühlen, unser Pfad, den wir bestreiten, um jede Sekunde für uns zweisam in aller Glückseligkeit zu nutzen, denn dazu brauchte es lediglich sie ansehen, mich in ihrem Blick wiederfinden, und in ihrem kraftgebenden, heilsam geschenkten Kuß diese und die darauffolgende Sekunde als Stärkung für unsere Zukunft zu leihen. Und indem ich sie zurückküßte, ihre Lippen mit meinen bedeckte, gab ich Leesha all meine Herzlichkeit sowie sie mich in ihr Herz ließ. So war es auch kein Zufall als nun mehr gleisnerisches Licht aus der Wolkendecke zu uns herabfiel.

Daran und an so viele andere Momente, Stunden, Tage und all unsere wunderschönen, ja unsere himmlischen sechs Jahre denke ich oftmals ob mit feuchtbekränzten Wimpern oder tränenzerlaufenen Augen zurück, und damals hätte ich nie daran gedacht, daß tatsächlich dieser gemeine Tod all unsere Sonnen auspustet, unser Glück im Staube zertritt, unser Licht auslöscht und ich ein baldiges Sterben willkommen heißen will!
Leesha, hab Geduld, in Deiner Ewigkeit ist ein Menschenleben nur ein flüchtiger Moment und schon bald werden wir wieder zusammensein!

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Therapiekarussell

Je länger ich schon beflissentlich dieses Tagebuch hier führe, umso mehr entlockt es mir Tiefen sowie Untiefen, und es ist recht seltsam wohin es mich bisweilen geleitet, als trete ich mit einer Laterne in eine dunkelverhüllte Höhle hinein jene nur darauf wartet von mir entdeckt zu werden. Anders als wie bei versteckten, mir verborgenen Auffindungen kann ich hierbei quer ins Finstere hineinsehen und von daher, was auch immer hinter dem gesunkenen Schattenvorhang lauert, kann es mich weder erschrecken, noch auf eine bestimmte Weise das Fürchten lehren, denn alle bisher hinter mir liegenden Erfahrungen haben mich für derlei stark mentalen Spuk und emotionalen Unfrieden längst unempfänglich gemacht.
Gleichwohl weis ich wo die Grenzen verschwimmen, es mich angreifbar macht, ich die dünne Lilie übertrete und zurück auf die Knie falle!
Heute lag ich wieder zur Therapie auf der schwarzen kunstledernen Couch und meine Therapeutin, die stoisch und penetrant professionell ihre Hände am Schos verschränkte, stellte mir wie gehabt und allseits bekannt – hierin bestand wohl ihr Muster – ihre üblichen Höflichkeitsfloskeln.
„Wie haben Sie die letzte Woche verbracht?“, wollte sie nicht wohlgeneigt um mein Befinden bemüht, eher aus beruflichem Interesse wissen.
Wie sollte ich auch glauben, daß ihr wahrlich an mir liegt, an meiner innerlichen Verstrickung, meinem dichtverflochtenen Netz aus engem Fühlen und das es mir mehr als oft den Atem raubt, deshalb blieb ich ebenso apathisch in meiner Rolle: „Ich bin allein gewesen!“, gab ich unverwandt zu.
Sie guckte auf als ob ich eine Außerirdische wäre, eben von einem fremden Stern gefallen und hier in ihrem spartanisch eingerichteten Zimmer gelandet. „Sie wissen schon, daß soziale Integration ein wichtiger Schritt ist, um sich auch anderen Menschen, nicht nur in ihrer Umgebung, zu zeigen?“, eine heimtückische Frage, die lediglich auf eine logische Antwort abzielte, damit sie in ihrem Wort recht bekam ohne dabei die große Unbekannte in ihrer Gleichung zu berücksichtigen, daß es ein Schritt – nein, einen Sprung kostet – mich in die Höhle des Löwen zu wagen und für sie mag es leicht dahergesagt sein, da sie nie mit denselben Problem zu ringen hatte, und wie würde es ihr gefallen, wenn ich ihr vorschlüge, sie solle die Hand in einem angestarteten Rasenmäher stecken, zu wissen, es wird wehtun, und allein die Vorstellung im Kopf nährt die Angst.
„Ich weis sehr viele Dinge, die ich lieber nicht wissen sollte“, schnalzte ich schnippisch mit der Zunge, bescherte dem Gespräch eine ungehörige Wendung als verpasse ich einem Papierflugzeug Schwung und es segelt quer durch den Raum, um in einer Ecke gestaucht zu Boden zu stürzen.
Ebenso angeknackst und beschädigt verlief die Unterhaltung weiter. „Denken Sie nicht, daß Sie den Menschen durch ihre Anwesenheit etwas vorenthalten?“, schoß es wieder aus ihr hervor, eine Salve folgte auf die Nächste und ich kam mir vor als stehe ich reglos mit dem Rücken zur Wand, spüre die Kugel an mir vorbeipfeifen ebenso in meinen Körper, tief in mein Innerstes eindringen, bis ich nur mehr äußerlich zerbreche.
„Die Menschen machen einen Bogen um mich“, erklärte ich zaghaft und gedachte, „sie haben mich damals im Krankenhaus einfach ohne über die Schulter zu blicken zurückgelassen. Menschen denen ich vertraute; Menschen, denen Leesha und ich Jahre unseres Lebens geschenkt haben und sie haben mich dort mit allen düstren Gefühlen, all meinen Gedanken und allen in mir brennenden Schmerz alleingelassen.“ Ginge es von mir aus wollte ich nicht wütend werden, ich war es auch nicht, wenngleich meine Stimme aufgekratzt geklungen haben mochte, dennoch ging ich entweder verständnisvoll oder überfordert situativ mit der damals vorgefallenen Begebenheit um, wo eine verletzliche Wolke über allem schwebte. Jede Nähe zu mir bedeutete nicht nur für sie als atmeten sie Gift ein, welches ihnen stets die Wunden von Neuem grausam aufriß.
„Trotz allem, es mag die Gewißheit einem sicher schwerfallen, sollte man dennoch keine voreilige Pauschalwertung abgeben und auch anderen Menschen eine Chance geben Sie kennenzulernen“, stach sie wieder auf das altbekannte, besonders leidige Thema ein und dabei habe ich für mich selber mit dem Kapitel „Mensch“ abgeschlossen, die mein Vertrauen erschütterten, es gar mißbrauchten, mich allein im Krankenhaus im Koma liegenließen, ohne einen Besuch, ohne tröstliche Worte, ohne ein Empfinden von Würde, Anstand, Menschlichkeit oder Herzlichkeit.
„Ich habe einfach nicht mehr die Kraft dazu mich neu zu öffnen, Menschen mit einer Offenherzigkeit zu begegnen, wo ich zuvor in aller Härte schwerst enttäuscht worden bin; selbst meine Eltern haben mich Stich gelassen. Es macht mir nichts mehr aus nirgends dazuzugehören!“, es mag für Außenstehende wie ein Versinken in Selbstmitleid klingen, dabei war und bin ich alles andere als der Ankläger auf der Bank für die Welt, sondern es ist lediglich ein selbstgefaßter, für mich definitiv abgeurteilter Entschluß, dem ich folgen werde, weil ich alles schon verloren haben.
„Denken Sie nicht, Sie sollten auch in die Zukunft sehen?“, natürlich mußte diese eitle Anspielung ihrerseits kommen, damit sie mich hochrüttelt, mich zu einem brauchbaren, nützlichen Zahnrädchen im Getriebe der Gesellschaft oder eher in der Privatwirtschaft machen kann, daß ich in ihren selbstgefälligen Augen meinen Hintern hochkriege, arbeiten gehe – Steuern für die bankrotten Banken einzahle – und in dieser abwegig normativen Gesellschaftsstruktur mich ihren subjektiv idealisierten Anschauungen gerecht wie ein perfekt zurechtgeschneidertes Puzzlestück nahtlos einfüge. Funktionieren, bedingungslos funktionieren, ungeachtet der persönlichen Zwiespalte, des Unbills, dies sei in der heutigen, schon fatal angeschlagenen Gesellschaft und flauen Wirtschaftslage nicht mehr von Belang, und jeder müsse abseits aller Tücken und Differenzen seinen uneingeschränkten Beitrag dazu leisten, damit das System aufrecht erhalten bleibt und auch weiterhin für „EU“ und Vaterland geölt läuft.
Am Liebsten wäre ihr, daß ich mir eine Kapuze überziehe, eine Maske aufsetze, mich selbst wie ein Roboter programmiere und bis zur Pension – bis zu meinem 62, 63, 64, 70 oder gar 75 Lebensjahr (je nachdem wieoft das Pensionsantrittsalter noch angehoben wird) – mich für Vater Staat zum Affen und Schnecke mache. Private Bedürfnisse sind Nebensache, zählen nicht, da einzig das Kapital das Machtwort angibt und das Geld zählt, und wieso soll ich über meine persönlichen Obliegenheiten hinwegsehen, nur damit ein unbeholfener Kanzler und ein dilettantischer Finanzminister sich teure Immobilien, Autos oder Villen leisten können oder noch mehr korrupt errungenes Geld im Ausland beiseite schaffen?
„Ich habe in die Zukunft geschaut“, gab ich unverhohlen zu Protokoll damit sie meine Aussage in Stichworte mitnotieren konnte, „Leesha und ich haben jahrelang in die Zukunft geplant, den Punkt mit der eigenen Wohnung haben wir noch umsetzen dürfen“, ließ ich sie affektiert wissen bis ich wieder gemächlicher zur Räson fand, meine Atmung kontrollierte, doch mein Herz raste hinter der Brust und ihr Blick war kalt und leer. „Denken Sie, ich kann von Heute auf Morgen, da ich das letzte Jahr im Krankenhaus zubrachte, monatelang „intensiv“ lag, spontan einen neuen Fünf-Jahres-Plan aus dem Ärmel schütten, wenn ich noch nicht mal den Desinfektionsgeruch richtig aus der Nase bekommen habe?“ Hierbei wollte ich niemanden angreifen, sie – meine Therapeutin – versuchte lediglich mit allem gebotenen Abstand und professioneller Distanz, mag es auch ohne merkbare Empathie erfolgen, ihren Job zu erledigen in dem sie kein einziges empirisches selbsterlebtes Detail mit hineinverarbeiten kann und mir auf einer weit enthobenen Ebene begegnet, wobei selbst die Entfernung von Mond und Sonne noch zu unnah am Geschehen ist. In mir brodelte es, in mir kam zuviel auf, da Sie mir Vorschriften oder zumindest einen konkreten, wenn auch resoluten Vorschlag unterjubeln wollte und dabei nichts von meiner Situation, meinem Leben verstand. Sie denkt, nur weil wir uns ein Mal pro Woche, schon ein paar Mal in diesem Jahr gesehen haben, sie kennt mich, sie weis wie ich ticke, kann in mein Innerstes sehen, wobei sie einzig die Laienzeilen aus dem Sachbuch in aller Kunde nachplappert, Theorien um Theorien wie ein Schulmädchen sein Gedicht eifrig aufsagt, und dies allein will ihr als aussagekräftigen und vor allem auch einzig richtige Lektion genügen. Sie hat nie in meinen Schuhen gesteckt, weis nicht, was es heißt Verluste einzufahren, wenn sie abends nach Hause geht und ihre heile Familie am Eßtisch sitzend und wartend vorfindet, und solch eine Person, die ihre rosarote Brille auf der Nase trägt, will mir etwas über das Leben, gar über meine Zukunft erzählen, und dabei fest auf eine konstant gemeißelte Wahrheit beharren?
„Wenn man Menschen von seiner Geburt an vertrauen will, wie ich es bei meinen Eltern getan habe, und hinterher, wo man wirklich ihre Unterstüzung benötigt, den Fußtritt vor die Tür bekommt weil sie plötzlich meinen, sie können mich nicht mehr liebhaben weil ich eine Beziehung auf meine Art führen will und außer ihren Beistand, ihren Segen damals, nichts erbat; außer Leesha und mich so zu akzeptieren wie wir nun mal sind, zeugt es nicht gerade von erwidertem Vertrauen, reiner Nächstenliebe, denn wie können Eltern per Knopfdruck beschließen ihr Kind nicht mehr zu lieben? -, nur weil ich als Frau mit einer anderen Frau zusammenleben und eine Zukunft aufbauen wollte!“ Mein Puls schoß mir durch den Körper wie der Amazonas, es rauschte, mein Denken dröhnte durch die Schläfen. „Zugegeben, ich kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, das habe ich auch nicht vor weil ich auch gütige, liebe Menschen getroffen habe, doch auch diese haben mir letzten Endes nach dem Unfall den Rücken gekehrt, sich entschlossen aus Angst vor der Wahrheit, aus Furcht vor der Konfrontation mir lieber fernzubleiben, gerade in einer Situation wo ich sie am Dringendsten benötigte; und glauben Sie mir die Nächte in denen ich nicht mehr im Koma lag waren noch länger!“
Soviel dazu, sie war sprachlos, es hatte ihr den Atem und auch die Worte verschlagen und einzig hörte ich sie hart und trocken schlucken, und ehe ich nochmals hin auf die Uhr sah – sie selbst ein Gesicht wie ein Uhu nach dem Waldbrand aufsetzte -, wollte sie keine selbstkritische oder gar nachhaltige Berichtigung ihrer akademischen Diagnose mehr veranstalten und bevor sie ins nächste Fettnäpfchen trat erklärte sie die heutige Sitzung für beendet. Der Schlußstrich kam mir gelegen, sehr sogar, dies Plappern und Quasseln führte zu nichts, wir drehten uns nur im Kreis.
Im Grunde war ich ihr egal, bin ich lediglich eine weitergereichte Krankenkassenpatientin – eine identitätslose Aktennummer unter vielen -, die für eine ausgemachte Stundeneinheit hier zu sitzen hat, als werde ich in ein Straflager geschickt und letzten Endes, dahin gab es keine Zweifel, waren wir Beide froh, wenn die letzte Sitzung endlich ihren Abschluß fand. Leesha! Eines weis ich mit Sicherheit, dies fühle ich jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster spähe, tief einatme und mir einreden will, daß ich noch da bin, mitten zwischen den Sekunden und nach dem ersten trägen seufzerlastigen Wimpernschlag schicke ich Gedanken und Gefühle zu Dir, die Dich wärmen sollen, obwohl Du nun nahe an der Sonne thronst!

3 Kommentare 23.3.15 15:39, kommentieren

Ama Me In Perpetuum

Vergänglichkeit ist bloß ein irdisch geformter, in sich willkürlich illusionierter Begriff, der lediglich in den Köpfen der Menschen entsteht, damit sie das Vergessen besser in ihrer eingefaßten, vordefinierten Wesensansicht maßgeblich begreifen, um sich nicht mit den vermeintlich abgeschlossenen Kapiteln ihres Daseins, ihres zurückliegenden Werdegangs, ganz gleich in welcher Hinsicht, befassen zu müssen, denn sie wissen, sobald sich die Vergangenheit erhebt, es sie zu übermannen droht, kehrt es das Unterste zu Oberst, und aller verdrängter Zeitensand wird zur gegenwärtigen Pflichtangelegenheit als ob ein Dominostein angeschnippt wird und dieser kausal die mental-fatale Kettenreaktion auslöst. Die Menschen verdrängen zu gerne, was sich unweigerlich in ihrem Charakter, Persönlichkeit, in ihrem herangebildeten und weitergesponnenen Naturell eitel und oberflächlich wiederspiegelt, um dadurch möglichen Konfrontationen, die unterm Pulsschlag der Zeit auf sie lauern, ebenso ihrem fix eingebrannten, penibel errichteten Selbstbildnis, gezielt aus Weg gehen und noch entscheidender nicht hinterm Spiegel blicken zu müssen. Es ist leichter sich in Unwissenheit zu kleiden, unbewußt zu sein sowie sich kuschelig in den geistigen Nebel einzuhüllen.
Menschen sind meisterlich bewandert, wenn es um die altkluge Vergessenheit geht, um sublime Verleugnung, die solange währt bis die primär-polarisierende Welle in eine andere Richtung umschlägt, was das Wesen der Menschen nicht wankelmütig macht sondern bloß manipulativ.
Doch unter wie vielen feingearbeiteten Decknahmen die eigene menschliche Fehlbarkeit, das eigene Darniederringen der aufgeschlüsselten, brillant hervorgetanen Untugenden auch herauskristallisiert wird, niemals vernachläßigt ein geadeltes Herz seine glorreiche Krönungszeremonie.
Nichts, was der Vergessenheit überantwortet wird, bleibt auf Ewig, doch was aus dem Sumpf des Vergessens stets ans Licht geführt wird, wird niemals altern, niemals verblassen, niemals seine irdische Magie sowie sein veredeltes Glanzwerk in einer einzigen wahren Emotion verlieren.
Dahin sinnierte ich heute Morgen als eben der Himmel über den Fenstersims aufging, sein warmes frühlingswarmes Sonntagslicht über den dünnen Seidenvorhang streifen ließ, und mich, die ich unter der Decke schüchtern und zerknirscht zugleich hochblickte, einen freien Gedanken und ein endloses Fühlen weiterhin erkennen ließ. Es lag mehr als ein Hauch des Übernatürlichen im Zimmer, wobei ich keinesfalls gläubig bin – nein beiweitem nicht – doch meine ich, weis ich, das zwei Menschen auf ihre Art eine noble, hoheitsvolle Welt kreieren können jene einzig ihren Wünschen, Sehnsüchten, Hoffnungen und Träumen entspricht. Woher ich es weis, ganz einfach: Leesha und ich erschufen solch eine Parallele!
Doch selbst am Gestade der Seligkeit fielen ab und an die Schatten, die uns auf die Probe stellten, da das Leben voller Herausforderungen ist und allzu menschlich ausgestreuten Tücken jene nach eigenmächtigen Verlangen trachteten, nur um egomanischer Willkürlichkeit zu frönen.
Dies waren düstere Tage jene auf uns zukamen, mich geknickt das Haupt sinken ließen, weil ich ein Stück meines Weges, meines Leben verlor und indem ich zurückblickte, auf das Haus meiner Geburt, auf das Zimmer meiner Kindheit und Jugend, schmeckte ich Asche in meinem Mund.
Damals habe ich darum geweint, bloß damals und sonst nie wieder, da ich meinte ein Glied meiner Existenzkette dadurch insgeheim zu verlieren, doch nur weil ich es zuließ, ich es in meiner gebotenen, eingestandenen Schwäche gewahrte und mich derartig darauf hartnäckig versteifte.
„Es ist schwer, wenn ich nun daran denke, das ich meinte in meiner Verblendung ich könnte den Menschen, die ich Vater und Mutter nannte, in aller nachsichtigen Freimut noch Vertrauen schenken, wobei sie es sooft enttäuschten und nicht im Grunde mein Wesen verstanden!“, habe ich  vor Leesha damals erklärt, mich ihr mitgeteilt, da ich die Worte noch im Kopfe habe, ebenso wie ich ihre Arme noch um meine Taille gelegt spüre.
„Du hast nichts falsch gemacht“, ließ sie mich in ihrem zarten Flüsterton wissen, nicht weil sie mir im Unrecht Recht geben wollte, da sie meine Lebensgefährtin ist, sondern weil sie ganz Vorne an der Front das Zerwürfnis, die Ungereimtheiten, die Abspaltung, allen Hader und Groll, den man nie einem Kinde an den Kopf werfen oder in sein Herz stechen sollte, mitbekam und deshalb an meiner Seite noch treuer und sorgsamer wachte. Ihre Berührung, allein Leesha in meiner Nähe haben, gab mir das Gefühl, daß ich nicht im Nirgendwo herumirrte, sondern zu ihrem und unserem Leben gehörte. „Es sind Tantalosqualen jene sie in deiner Nähe leiden, darum tun sie sich so schwer dich zu verstehen“, führte sie weiters aus und es stimmte, wenngleich ich es nicht gern zugeben mochte, Leeshas Ansicht, ihre Interpretation spiegelte die Wahrheit wider.
Als ich ihre Hand ergriff, mir dadurch mehr als ein äußerliches Zittern und ein innerliches Beben unterdrückte, wußte ich um den angehäuften zurückgelassenen Verlust, der mir jetzt – sobald ich wiederholt darüber nachgrübelte – leichter, geringer moralisch vertretbarer erschien, da keine Herzlosigkeit in Elternaugen ein Kind aus ihrer Brust reißen sollte, sofern da nicht doch noch ein redliches Fünkchen wahrhaftige Zuneigung und Hingezogenheit vorhanden ist. „War ich ein Tor zu meinen, ich könnte in das Herz meiner Eltern hineinsehen, damit sie meine Entscheidung offen und ehrlich begrüßen? Wieso macht es sie blind und taub, ob des Weges, den ich mit dir gehen möchte? – es ist nichts Verwerfliches daran!“
Leesha verstärkte ihren Griff um mich, damit ich sicher neben ihr, neben unsrer Gegenwart stand bis ihre sanftgewobene Stimme weiters an mein Ohr drang als wehten Zukunftswinde in mein Schicksal. „Sie leben noch in einer archaischen Zeit“, formulierte sie den richtigen Gedanken, „für sie gibt es nur schwarz und weiß, keine Graustufen dazwischen“, philosophierte sie mit solch einer ontologischen Präzision wovor mir zum Einen graute und andrerseits erschauderte ich vor den authentischen Tatsachen, ebenso als sie konstatierte: „Sie können nicht über ihren Schatten springen, wir haben es versucht, du weist, daß wir nicht kampflos aufgegeben haben, aber damit mußten wir zwischen all den Siegen auch rechnen indem wir eine Schlacht verlieren. Das habe ich dir auch schon öfters gesagt, da wir Beide uns nicht selten die Zähne ausbeißen werden.“ Dadurch brachte sie meinen Atem zum Stocken, weil ich es wußte – selbst heut‘ noch weis, wie schwer und unüberwindlich so manche Toleranz im Verstand der Menschen ist -, sie ihren fest strömenden Zeitenfluß nicht durchqueren können und mit der eigenen stark idealisierten Strömung fortgerissen werden. Ihre taktvoll erhoben eloquente Zugänglichkeit war immer schon einleitende und großartige Faszination zugleich, auch ihr Denken beeindruckte fürwahr, daß ich in jeder Silbe die aufgeflammte Herzlichkeit ihres Innenwesens auf mich übergreifen fühlte. An ihre Worte band mich ein Verstehen, auch eine Einsicht und soviel mehr als liege ich unterm freien Himmel auf einer grasweichen Wiese und höre den Wind magisch raunen: „Ich weis, es ist schwer und nichts kann die Lücke auf Dauer schließen, doch Shane, bitte laß dich davon nicht zu stark zerrütten und unsere Zukunft unter ihren Schatten betreten“, gab sie mir zu verstehen und verheimlichte nichts, was ich nicht schon selber wußte, obschon sie aussprach wovor ich in hemmungsloser Furcht mich nicht zu überwinden vermochte, jedoch den Tatsachen mich nicht ständig vorenthalten durfte. Wovor ich zurückschreckte war das verbindliche Eingeständnis, welches schon längst am Tisch lag, wovor es kein Zurück mehr gab, denn leistete ich mir die nahe Rückschau war diese nicht die Tränen wert jene ich trotz all der Begebnisse dafür vergoß.
Dann drehte ich mich zu Leesha um, nahm sie wahr, betrachtete in ihren grünen Augen, geschmitzt aus königlichen Edelsteinen, nicht nur allein meine Gegenwart, die schöner und prächtiger nicht vor mir entstehen konnte; zudem flammte in ihrer feenhaften Seelenmitte auch eine Zukunft auf, die mich wärmte wie ihre Hand sogleich auf meiner Wange ruhte, damit ich die tief in mir eingedrungene Kälte verscheuchte und statt dessen Raum und Platz genug für ihre Sonnenstrahlen schaffte. Und sie leuchtete wahrlich stets wie ein Universum aus tausend mal tausend Sonnen, wobei ihr kosmischer Körper einzig aus wärmsten und heilsamsten Licht zu bestehen schien, welches selbst die Zeit durchdrang und den Raum krümmte auf daß der Stillstand jener Trautheit keine Einbildung war oder dem empirischen Augenblick unterlag – nein, die Zeit stand für uns still!
Wir hatten viel ausgestanden, uns erprobt, waren auf stürmischer See dahingebraust, an Felsen zerschellt, an Klippen geborsten, doch immer fanden wir auch durch gemeinsame Kraft und Überwindung, Durchsetzungsvermögen und den unerschütterlichen Glauben an uns selbst sicher an Land. Es gab so viele Situationen, die uns Steine in den Weg rollen mochten, ob ihre Freunde sie mir ausreden wollten, da sie zu Anfang gar mißmutig und perfide gedachten, ich sei bloß zuwider jeder essentiellen Authentizität – eine Art von sozialer Hybris – bis sie mich näherkannten, mich verstanden, meinen Gedanken folgten, daß ich stets geleitet von dem aufrechten (ritterlichen) Wunsch nichts Boshaftes oder Böses für Leesha im Sinn zu haben. Ihre Clique war eine Familie, tief eingeschworen, klar, daß ich zunächst hierbei auf Granit biß, da ich neu, fremd und für sie alles andere als konventionell auftrat, doch zwischen ihren Reihen gab es auch zu Beginn neutrale Posten, die verständnisvoll auf mich zugingen, mir freundlich ihre Hand reichten, damit ich nicht so alleine neben Leesha dastand und dies half bei aller künftigen diffizilen Vermittlung.
Auch bei meinen Eltern stand sie mir bei, die mich verstießen, mich ins Abseits schoben, mein gewähltes Glück mit Mißgunst stets begegneten.
Neben Leesha sein war als versank ich schnurstracks, gleich mit dem nächsten Herzschlag in einen Traum, und eine Feuerwalze rollte über mich hinweg je länger ich ihr Pochen gegen meine Brust dröhnen hörte, aufregt aber auch gemächlich, friedsam und fordernd sogleich als geschehe in ihrem Inneren genau dasselbe Zeugnis just in diesem Moment. Neben ihr sein ließ die Zeit einfrieren und in neuer Schönheit erneut erwachen.
Meine Glieder wurden schwer und leicht zugleich, ihre Hitze, sie ansehen, raubte mir die Sinne und mein Puls donnerte wie ein heißes Gewitter mitten im Sommer durch meine Adern, und diesmal weinte ich obgleich des Verhängnisses: „Ich habe Angst um ihre Liebe“, gestand ich leise und zerbrechlich, schmiegte mich in ihre Handfläche wie es eine Verstorbene an einem blendend silbergefiederten Schwingenpaar eines Engels tut.
Leeshas Präsenz gewahrte ich mit aller Aufmerksamkeit, wobei sie kurz im Tagesschein zu verschwimmen drohte, und zeitgleich erstand sie noch viel prachtvoller wie eben erst vom Himmel gesandt und ebenso himmlisch gestand sie mir zum ersten Mal überhaupt: „Ich liebe dich!“
Diese Worte, lange und oftmals träumte ich davon, diese drei entzückenden, unbeschreiblichen, balsamisch ausfüllenden Worte jene mein Herz in einen Jubel, in einen Freudentaumel, in ein loderndes Inferno versetzten und alle gefallenen Dämmerschatten in mir vertrieben, da Leesha mir ihr Innerstes offenbarte und sodann spielte es keine wesentliche Rolle mehr, was meine Eltern, sogar was die Welt selbst von uns dachte oder mit welch abscheulich ausgeheckten Vorwurf sie uns an den Pranger stellen wollen, solange wir gemeinsam und verbunden zueinanderstehen.

Leesha, Dein Herz hat sich mir entfaltet, mir hingegeben und Dein Leuchten und Strahlen hat mich erreicht, so daß es alle zuvor inneren schwer erlittenen Wunden mit Deinen drei süßen und heiligen Worten geheilt hat, denn wir fühlten um die einzige Wahrheit: Liebe währt unendlich!

22.3.15 13:31, kommentieren

Luzide Sylphe

Luzide Sylphe
Für meine selige Leesha

 

Mein Strahlend! Ach, lausche diesem Wehgesang,
Aus dem Moment enthoben, doch wartend sacht,
Vergib, wenn mein Herzleid untief zu Dir drang,
Und verkündet nebeldick als wahre Sonnenpracht.
Heut‘ träumt‘ ich – ich wollt‘ der Nacht gefallen -
Von grünen Augen, einem See aus Smaragden,
Die engelhaft vom Himmel wie Kometen fallen,
Wenn sie der Sonne ihr Sternenhell abjagten.

 

War ich vermessen, verrate, zeige mir ganz klar,
Ob ich je im Fenster Dich Sylphe darf erschauen?
Im seufzerfeuchten Momenten erstand wunderbar,
Eine Reflexion von Trost, Erbarmen und Grauen.
Der Wind, sein Fispern, es weht um die Stirn,
Wie balsamische Chöre das Gras umdrängen,
Und dünne Nebel, die im Dämmertrüb das Gestirn
Selige Wünsche zwischen dem Herztakt zwängen.

 

An Deiner Seite, dort wacht ich nicht nur im Traum,
Als kosten wir grellste Farben aus dem Lebensquell,
Schlagen Sehnsucht und Glauben aus dem Schaum,
Wahrheit, Tugend und Anmut ohne bittres Fehl.
Dann hielt ich Deine Hand, solch ein tosend Glühen,
Auch ein warmes Schaudern war Dein Atemhauch,
Deine Augen verrieten nicht nur der Sterne sprühen,
Den Kosmos enthüllten sie unendlich auch!

 

Schatten huschten, sie umschwebten Deinen Mund
Wie Gebote, die selbst Engel zage uns raunen,
Und Glühwürmchen spendeten auf unsrem Erdenrund,
Ein Scheinen aus Frohsinn, Großmut und Staunen.
Die Hitze, die Dein weicher Marienleib, wie Blüten
Aus Lilien, sie wie ein Schleierflor hernieder wehen,
Denn kein Wort, keine Harfe, könnt‘ dann verhüten,
Wenn ein Geist will durch die Lüfte gehen!

 

Dein Sein, Dein Schrein, hat die Fackel mir gebracht,
Wie Prometheus das Opfer hat auf sich genommen,
Und im Hain, Dein Schein war Deine Nähe sacht,
Die wie ein Blitzwurm hat zur Nacht geglommen.
Mein Herz, es ruhte unter kargem Felsgestein,
Doch nur, solange bis Dein leichter Fuß hertrat.
Dein Wispern, Deine Poesie war herzensrein,
Der früheste, seligste und rührsamste Himmelsrat.

 

Bei Dir, Du warst stets für mich, die Erfüllung,
Die nur ein Traum gekannt, ein Geschmeide
Jenes heilte, liebkoste und in Beseeligung,
Ein rasches Ende machte jedem Leide.
Als Seele, da wollt‘ ich, ohne zu verzagen,
Dir Deinen Tempel bau’n, ein Frohlocken.
Ich hörte dann – doch das liebsam Klagen –
War nur der Anfang unsrer Himmelsglocken.

 

Kein Dunkel sann, wenn das Gefieder senkte,
Seine Federn, seine Zartheit in Scharlachrot,
Denn, was Dämmerung uns gleißend schenkte,
War die frische Luft im Kusse Atemnot!
Du sprachst nicht, nein Dein Singen – Phantasie -
War ein Blumenmeer, duftende Liederzeilen,
Dein Ton nahm mir der Stille Melancholie,
Die wollt‘ im Kerker meiner Seele weilen.

 

Oft ruht‘ ich im Schatten, weit hinten im Eck,
Zwischen allem was mein Sehnen erbat,
Doch ein Lichtstreif erreichte diesen Trauerfleck,
Wie eine irdisch erbarmungsvolle Engelstat.
In Deinen Armen war es die süße Seligkeit,
Und mit Dir durfte ich Träume stets küssen,
Da nur ein Walzer, der trumpft in Herzlichkeit:
Wir als träumerische Liebe dann begrüssen!

 

21.3.15 19:12, kommentieren

Omnia Vincit Amor!

Wir Menschen sind an unsre scheinbare, hüllenvolle Sterblichkeit gebunden, die es uns nur in außergewöhnlichen Situationen, in denen sich die Welten verschieben, hinter die verborgenen Geheimnisse einer sonst für uns weit entlegenen, grenzüberschreibentenden Dimension zu treten, die uns mit staunenswerter Demut und allumfassendem Anstand sowie mit geballter Emotionskraft lehrt wie Gemeinsam doch alles im Grunde ist.
Es ist schön, es ist einzigartig und wunderbar hinter den Vorhang zu spähen, zu wissen, da ist soviel an Wahrheit und Großartigkeit mehr in der Zeitlichkeit als wir vorerst zu ergründen vermögen. Eine schwere Drapiere der Zeit anheben, um drunter zu spähen, wissen, es verbirgt sich ein zuvor unentdecktes, hinter aller vernebelter Wahrnehmung scheues Licht innerhalb eines Wimpernschlages und die Welt leuchtet von Innen.
Solch ein glanzüberströmtes, glutvoll brechendes Licht habe ich oft bei Dir gesehen und zunächst hielt ich es für einen luziden Traum, für haltlose Einbildung, eine greifbare Schimäre jene dennoch in unserer Wirklichkeit ein wärmendes, wohlbehütetes, zum Ein- und Ausatmen gemachtes Zuhause geboten hat. Nie zuvor, ich hab wahrhaftig daran gezweifelt, hätte ich geglaubt, daß Dich zu küssen Himmel und Erde so nah vereint.
An jenem Tag haben wir wie sonst auch viel geredet, über alles, über wirklich alles und freimütige Kommunikation hat soviel in unserer Beziehung bewirkt, da wir nichts zu fürchten brauchten, es keine Hemmschwellen gab, zu keinem Thema, in keinem Belangen, was immer Dir am Herzen lag, vernahm ich mit einem unerschöpflichen Interesse und einer unermüdlichen zuhörbereiten Aufmerksamkeit und ebenso hast Du mir stets Dein wachsames, lauscheifriges Ohr geschenkt, wann immer es mir schlecht ging, ich eine weiche tröstliche Schulter zum Anlehnen brauchte.
Soll ich nun verlegen werden, Leesha, da ich an den Moment unseres ersten Kusses zurückdenke, Dich strahlend-prächtig, anmutig-schön vor mir sehe in Deinem dünnen schwarzen Oberteil wie eine viktorianische Verzauberung entstiegen aus einem eben enthüllten Gemälde, als Deine spitzenumrankten Finger unter diesen transparent bestickten Stoff dalagen als wir in unsrem Pavillon in B.S. saßen, in diesem kleinen lauschigen Park und eine hellumflutende, warmgemächliche und überaus huldvoll gestimmte Sonne uns ihren vormittäglichen Trostschein gespendet hat?
Du warst für mich ein zurückgekehrtes Irrlicht, eine Glanzwolke, die es vermochte Sterne selbst am helllichten Tag für mich sichtbar zu machen und neben Dir schien all mein Wünschen, all mein Sehnen nicht hoch oben im Kosmos zu liegen, sondern im sanften Atemhauch zwischen uns.
„Wie soll es weitergehen?“, drang es voll Bange und Erschütterung aus mir, da ich die Besorgnis benannte, und im Denken, im Fühlen waren wir weiter, viel enger verbunden und dann warst Du es jene mir ihre Hand auflegte, meine Finger streichelte, mich sofort ein feurig-brennender sowie unglaublicher Hitzeschwall durchfloß als sei ich in einen Vulkan gefallen, der mich verschlingt, verdaut, seine Lavaflammen um mich schließt.
„Ich weis, worüber du nachdenkst“, kamst du mir einfühlsam entgegen und es war nichts Neues, dein Empfinden ging so tief wie ich es zuvor nie bei einem Menschen bemerkte, daß du wußtest, was ich dachte noch bevor ich es dachte; was ich fühlte noch bevor ich das Gefühl aufgriff.
„Diese Sorgen möchte ich in mir nicht die Oberhand gewinnen lassen“, gestand ich mit zittriger Verzweiflung und ich weis noch, wie ich sie musterte, in ihrer atemberaubenden Milde auf den Bretterboden dasitzen sah. Mit Leesha verband ich all mein bis dahin nie gekanntes Glück, eine Eintracht zu mir, zu meinem Charakter, da sie das Beste in mir erweckte und gerade diese Einkehr ließ mich die Wirklichkeit deutlich sehen.
„Der erste Schritt ist schon getan“, ließ sie mich wissen und ihre Hand berühren, mit ihren Fingern spielen, dabei ihre Haut streifen als liege ein Engel vollkommen in Seide gebettet vor mir, war eine irdisch gebotene Erfüllung von der ich nie zu träumen wagte. Reinste Vollkommenheit!
Doch in mir gab es soviel, was mir Kopfzerbrechen bereitete, meine Nerven aufrieb, wann immer ich daran dachte und mit dem ersten Schritt wies mich Leesha auf die Vorstellung in ihrer Clique hin, daß ich zunächst auf Ablehnung stieß klar, es gab merkbare Spannungen, deutliche Differenzen, da mir ein Teil Heuchelei unterschob, ein andrer Part nahm es gelassen und wohlwollend, tolerant und mit erwachsener Einsicht verbunden. Natürlich war es absehbar, darauf wies mich auch Leesha im Vorfeld hin, stellte ich gleich eine bis dahin nie erwogene soziale sowie gesellschaftliche Unbekannte in der bis dahin gekannten Gleichung auf, aber mit Beistand von Leesha und einigen tatkräftigen, selbsterklärenden Worten sowie der gebührenden Ehrlichkeit und aufrichtigen Verfestigung meiner Werte, Ideale, fiel die Maske der Illusion und allem Blendwerks.
Aber letzten Endes, wofür ich dankbar bin obsiegte die Toleranz, die ich in den Menschen für mich, auch meine Zukunft suchte, da ich bisher sogar in meiner Familie auf schlimmste, gröbste, herzloseste Aversion stieß als ich mein „Outing“ stark beherzt ihnen an jenem Tag bekanntgab.
In Leeshas Augen sah ich Sternsprühen, nah und lodernd, ein Meer voller wahrgewordener Wünsche als gebe es keine Kluft mehr in unser beider Gegenwart, doch ich zweifelte bestärkt durch die vorangegangenen Rückschläge. „Ich möchte nicht mehr mit Angst durchs Leben gehen“, verriet mit gebrochener Stimme, mir fror, obwohl die schräg herabfallenden Sonnenstrahlen mir auf die Schultern fielen und Wärme geben sollten.
Leeshas nachfolgende Worte behielt ich im Kopf, ich höre sie, sie sind da, und selbst wenn ich die Augen schließe, mich in ihren smaragdgrünen Augen verliere, ist ihre federweiche Stimme mir ganz nah am Herzen. „Das Leben wird uns oftmals noch Hürden aufbereiten. Dies liegt einfach in den Launen dieser Zeit, die zwar mit Toleranz spielt, es überall auf den Plakaten wiedergibt, aber tief im Inneren halten die Menschen an ihren altbackenen Fixwerten, die zumeist leider aus Ignoranz an die nächste Generation weitergegeben werden, mit aller Verbissenheit fest und da es selbst heutzutage einen mangelhaften Vorrat an Aufklärung gibt, werden wir es zwar umso schwerer haben unser Glück durchzusetzen, aber gerade deswegen lohnt es sich zu kämpfen, damit wir hinterher wissen, wofür wir in den Ring gestiegen sind und für unser Recht einstehen.“
Nie zuvor – ich sage es und gebe es ehrlich zu – hat je jemand in solch einer gütigen, barmherzigen, zukunftsträchtigen Weise mit mir glaubhaft gesprochen, daß ich erstarrte, völlig sprachlos war, mein Herz zu rasen begann und sich mein Puls um das hundertfache beschleunigte. Leesha zuhören, ihre Worte in mir widerhallen lassen, immer und immer wieder, gab mir mehr als die Bodenständigkeit im Leben zurück, es war als liege in ihrem zauberhaften engelsfeinen Lächeln mehr als eine Silbe des Vertrauens, des Wohlbehagens und obwohl ich dieses fabelhafte, sylphide Mädchen schon fast ein Jahr kannte, beeindruckte mich ihre felsenfeste, selbstsichere, kraftvolle, esprithafte und intelligente Persönlichkeit noch immer als habe sie soeben das erste Mal das Wort an mich gerichtet. Leeshas Charisma war überwältigend, sie leuchtete von Innen heraus!
Dann kam sie näher, schob ihren leichten Körper ganz dicht an mich heran, ließ ihre Finger fester in meine gleiten als wollte sie ganz sicher gehen, daß ich bei ihr war, hier neben ihr, tief im Bewußtsein zu ihr hingezogen, als befürchte sie ich ginge in meinen eigenen Schatten verloren.
Ihr Lächeln verführte, schlug mich in ihren Zauber, denn mit ihren Augen, die nun halb gesenkt einen Wimpernschlag vollführten, unterlag ich ganz ihrer Hypnose, während mein Atem ins stocken geriet, es mir heißer und flammender durch die Zellen rauschte je näher sie mir nun kam.
Hiernach hörte ich sie mit einer betörenden, sinnlichen Stimme sprechen, die ich zuvor nie an ihr bemerkte, als borge sie dem Wind alle Klänge, dem brisenhaften Blätterrauschen alle Sanftheit, als sie mitten durch meine Gegenwart flüsterte: „Du brauchst keine Angst zu haben, Shane!“
Und ehe ich begriff, ob ich lebte, starb, wiedergeboren war bedeckten ihre Lippen zum ersten Mal meine. Und was geschah im nächsten Moment mit mir – unbeschreiblich, dafür gab es keine Worte in unsrer Sprache -, denn die Schmetterlinge in meinem Bauch stoben hoch, gingen kopfüber in den Sturzflug, waren zu einem hitzegewaltigen Schwarm verbunden als verbrenne ich von Innen heraus und werde zeitgleich an einem kühlen Ort geführt. Mein Körper war verspannt und gelöst zugleich, verdrahtet und geleeartig, völlig hart und weich, und Leesha vollends ergeben.
Leesha kosten, sie zum ersten Mal schmecken, die rauschartige Süße ihrer Zartheit, solch ein zärtliches Überwindungen gab jedem Herzschlag seine eigene segensreiche Poesie zurück, als ob die Ewigkeit zwischen uns faßbar war, unsere Finger ihren Griff verstärkten als fürchteten wir den Halt in unsrer Gegenwart sowie im Leben selbst zu verlieren, denn wir schwebten urplötzlich. Sie dabei berühren, ihr Gesicht umschmeicheln und wissen, sie ist hier, es ist kein Traum, alles real und die Sonne glüht über uns in solch einem weißen strahlenden Lichtball, ließ uns Beide in diesem und jedem darauffolgenden Kuß seit ich denken kann über der Welt und ihre Zeitlichkeit stehen. Mein Thron war neben ihren, mein Herz verstand das Ihre, und dabei – ich spürte es auf meinen Wangen – hat sie geweint, bei unsrem ersten Kuß hat sie geweint und sich dabei fester an mich gedrückt, bis alles um mich herum verschwamm: Sekunden wie Minuten, ein Atemzug sowie ein Herzschlag und sogar Zeit und Raum!
Ihre freie Hand ließ sie über meine Wange gleiten, durch mein Haar, als wollte sie wahrhaben was vor ihr lag und ebenso wie ich wünschten wir uns, alles sei keine Einbildung, doch dieser zwischen uns geteilte leidenschaftliche Moment – einer von Zahllosen während der nächsten sechs wunderschönen, paradiesischen, himmlischen Jahre – brachte unsren Herztakt einander näher und ganz langsam aus dem Hintergrund, um uns herum wie eine frühlingshafte Intonation, hörte ich mehr als gnädige Himmelsglocken oder hellerklingende Engelschöre: Leesha küssen war jedes Mal als seien wir selbst Bestandteil, fest verwurzelt, mit der bis dahin nie gekannten, nie erahnten, doch in uns erwarteten Unendlichkeit!

Unsere Herzen gehören noch immer zueinander, wir hören uns selbst hinter dem dickerrichteten Wall der Endlichkeit, der nicht so unüberwindlich für mich scheint, und denke ich an jenen sowie andere zahlreich gemeinsam erfahrene Atemzüge zurück, weis ich zwar, daß der Tod derzeit einen tiefen Graben zwischen uns gezogen hat, doch er ist nichts was ewig währen kann, denn meine Liebe und Sehnsucht zu Dir ist unendlich!

21.3.15 14:40, kommentieren

Frühlingsschnee & Weiße Tauben

Heute, eigentlich vorhin, stand ich eine Weile am offenen Fenster, hielt die Nasenspitze hinaus und schnupperte an den ländlichen, teils auch urbanvermischten Gerüchen, die leider auch unvermeidbar sind, doch zwischen Benzingemisch und Abgasdämpfen trat der Geruch von ein bißchen Frühling durch – von zahlreichen Buschwindröschen bishin zur blühenden Zaubernuß – und es genügt sich dem buntgefächerten, farbfrohen Anblicksgeschmeide offen hinzugeben, um die Welt nicht rein als Alltagsgrau auszumachen, sondern als wundersames Gemälde.
Früher habe ich länger damit zugebracht, mich vertieft, bin stehengeblieben, habe gewartet, mich geöffnet, der einmaligen Natur ihre Chance vergönnt mich zu beeindrucken, und mit Leesha zusammen war es jedes phänologische Ereignis die unverwechselbare Magie des Lebens.
Seither ist viel passiert, seither ist der Wandel auch in mir eingetreten, und seit vorigem Jahr weis ich schlecht bis nicht, was ich schön oder rein erhaben finden soll, was ästhetisch auf einen zugeht oder der jüngst erwachte Tag an faszinierende Neuerungen oder spektakulären Effekten mir darbringt, da der allüberzogene gesunde Glanz der Jahreszeiten – selbst Frühlingstau und Märzpracht – mir mit dicken Schattenfalten begegnet?
Doch zwischen all dem düster aufgetanen Himmelsgewölk, wenngleich davon kein Schimmer heute sich bläulich ätherisch auftut, allein ein hell sowie weitgespanntes Flurtuch über der Region liegt, macht es mich zunehmend traurig und schlägt mich melancholisch in seinen Dunkelbann.
Zwischen den Seufzern ist es in mir still geworden, ich weis es noch wie gestern, es war auch ein März gewesen – von vor zwei Jahren um genau zu sein – und überraschend hat es an jenem Tag zu schneien begonnen, flauschig, kühl, wie eine weiße dichtgewebte Unschuldsdecke lag es über den grüngedämpften Wiesenflächen, die wie feuchtpolierte Edelsteine dastanden, und unseren Wohnungspalast aufrecht und wacker wie eine kleine Privatarmee bewehrten. Der Winter war verspätet zurückgekehrt, sein malerisch weißer Anblick hinterließ den Abdruck des Moments und Momente gab es viele, indem kurz bevor ich von der Arbeit kam noch eine kleine Haube auf die Fingerkuppel hob, kalt und naß, niedlich wie gekühlte Sahne, doch habe ich nicht probiert, obwohl ich es vorgehabt hätte, und als sie schmolz wärmte es den nächsten Gedanken an Dich.
Als ich eintrat standest Du am Fenster, hast die leicht verwehten Flocken betrachtet, jede Einzelne, wie sie der Wind hinfort nahm und hinaus in die weite Welt trug, damit sie die Länder, Berge, Täler, sogar die Menschen und alles zusammen von Oben aus zwischen den Wolken erkunden.
Du hast Dich zu mir umgedreht (noch immer sehe ich Deine Augen friedsam ruhen) und Dein Lächeln warf sogleich alle Mattheit und Verdruß von mir ab, den es zwischen uns, wann immer wir uns nahe waren, niemals geben durfte. Wir küßten uns, ein langes süßes Willkommen und auch sehnlichst erbeten, als ich meine Wange neben Deine legte, die Wärme aufsog als sei ich hunderte Jahre durch ein schneeverwehtes Gebirge einsam geeilt, nur um endlich bei Dir sein zu dürfen. Dein Herz schlug so nah an meiner Brust als hätte es den ganzen Tag auf mich gewartet und da ich es weis, entsprach es auch der Wahrheit und darum war ich mir sicher, daß nichts jemals zwischen uns stehen durfte, weder was wir menschlich nannten, noch schicksalsgeprüft uns Steine in den Weg rollte. Daran haben wir ganz fest geglaubt und erbauten Wunderreiche!
„Darauf ist es wert den gesamten Tag zu warten“, streichelte ich über ihre Wange, ihr schönes liebsames Gesicht, daß einer zwischen meinen Händen geborenen Sylphe, doch Du warst soviel mehr, denn seit dem ersten Tag verzehrte sich mein Herz nach Dir – und nur nach Dir allein!
„Ich weis, was du meinst“, hat Deine Stimme geflüstert und dafür – für jedes einzelne Wort – bin ich meinem fabelhaften Gedächtnis dankbar, daß ich Deine Melodie wieder und immer wieder, wann immer ich will, wie das überwältigendste Himmelsharfenstück aus meinen Erinnerungen holen darf. In Deinen Augen, in diesem Weltenmeer aus grünen Wogen, aus sanften Versprechen tauchte ich ein und verschwand in Deiner Seele.
Hinter meiner Brust begann es arg zu pochen, ein Trommelsturm und Orkantoben, doch ich war mir sicher, und nachdem ich ihren Atemhauch auf meinen Lippen spürte, gab es kein Zurück mehr für mich: „Du weist, daß ich den Rest meines Lebens mit Dir verbringen will, Leesha!“, ließ ich meine zittrigen Hände, ebenso meinen tiefgehenden Blick allein für sich sprechen als erwecke ich eine im Schlummer liegende Tempelgestalt. Dabei war sie stets mein erwecktes, für mich wachgeküßtes Dornröschen gewesen, meine Märchenprinzessin, wahrhaftig und anmutig zugleich!
Deine Hände legtest Du auf mein Gesicht als fürchtest Du es zerbreche unter dem nächsten Pulsschlag, unter der trauten Wonne meiner Gefühle für Dich, die Dich aus dem Traum holten, hierher in meine Wirklichkeit und in einer zarten Note hast Du zu mir gesprochen. „Das ist doch unser Plan, oder nicht?“, sodann hast Du gelächelt, mich liebkost, mich unbeschreiblich glücklich gemacht und in mir stoben freudige Flammen hoch. „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen als den Rest meines Leben mit dir zu verbringen, Shane“, rauntest Du ergriffen, dabei war ich es, die mit frischen Glitzertränen vor Dir stand, mich völlig in Deine Hände und Deine Zärtlichkeit begab, wie sooft als umarmte ich den Himmel selbst!
So habe ich es darauf ankommen lassen, in meinem brandgenährten, leidenschaftlichen Sturm sah ich die euphorisch blendende Verführung in Deinen glühenden Augen, in dieser unglaublichen Zartheit Deines Wesens, wodurch es keine Zweifel gab, nur Einsicht, Klarheit und die einzige Sprache jene ich in Deiner Gegenwart zu sprechen fähig war, weswegen ich auch aus tugendsamster Liebe und aus edelherziger Liebe allein Dir mit einem plötzlichen ritterlichen Kniefall folgende Frage stellte. „Leesha?“, habe ich meine Stimme dadurch wiedergefunden indem ich Deine zarte rechte Hand hielt, mein Blick kurz zur Anderen wanderte, worauf noch dieser Silberling steckte, den ich Dir ein Jahr zuvor als Schwur dargereicht und heute ging ich einen Schritt weiter, kniete demütig und mit rasenden Herzklopfen vor einem herabgestiegenen Engel jener in mein Leben getreten war. Doch wie sollte ich mehr Licht in Dein Licht bringen, da Dein Scheinen alles überstrahlte was ich mir vorstellen mochte, Deine krönende Erhabenheit über meiner irdischen Vorstellung stand und da ich noch zitterte, mein Mund trocken war, etwas mir auch die heiße Brust schnürte, wollte ich Dich – mein Himmelsgeschöpf – meine grenzenlose, unsterbliche, für Immer und Ewig gepriesene Liebe zeigen indem ich in meine Tasche griff, eine kleine Schatulle herausholte und mit weniger Tränen in den Augen Dich aus tiefsten Herzen bat: „Willst du mich zur glücklichsten Frau auf der weiten Welt machen und ich verspreche immer für dich dazusein, jeden Tag an dem ich lebe dich auf Händen zu tragen, dir jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, dich beschützen und ehren, und in jedem Atemzug dich treu und zärtlich zu lieben!“
Leesha stand fassungslos vor mir, auch sie – mein stolzer weitflügeliger Engel – begann nun zu weinen, Tränen der Freude, des Glück, ob meines soeben ausgesprochenen Antrags und ihre Lippen bebten wie ich allen Mut zusammennahm, wobei in ihren Augen solch ein kosmischer Kometenschauer niederging als seien sämtliche Sterne in einen smaragdgrünen See gestürzt, um daraufhin in einem neuen und paradiesischen Leuchtfeuer wiedergeboren zu werden. Unter ihrer Haut zündete es plötzlich mehrere tausend Sonnen, ich konnte es sehen, ihr Scheinen ging auf mich über, warm, barmherzig, von solch einer ergreifenden Unschuld und nonnenhaften Vollkommenheit wodurch es mir die Sprache nahm. Leesha, Du hast wie eine elysische Offenbarung ausgesehen, nicht von dieser Welt doch ich durfte noch Deine Hand halten, Dich ansehen, dabei hat mich Dein Sternenlicht nicht verbrannt, sondern gewärmt, mich aufgenommen, in Deiner Trautheit als Teil Deiner Galaxie hold umschwärmt.
Leesha schien vor unbändiger Kraft zu leuchten, wie sie vor mir stand, lächelnd unter Tränen wie ein Schwan, dem es zum ersten Mal erlaubt ist zu Fliegen und sie spannte ihre königlichen Schwingen aus als sie neben mir auf die Knie sank und ihr Herz zu mir sprechen ließ: „Du tust doch schon Alles für mich“, weinte sie und nie hab ich etwas Graziöseres und Aufrichtigeres in meinem Leben gesehen als Leeshas Hoheit jeden Tag. Es mochte nichts bedeuten, aber vielleicht auch alles, wenn plötzlich im Wohnzimmer schier mehr Licht gespeist war als zuvor, als habe der Himmel selbst sich uns zugewandt, uns seinen immerwährenden Segen gegeben und die wandellosen Engel droben, hinter den milchig weißen Schneewolken, haben uns ihre glanzbekrönten Häupter zugeneigt, auf daß wir auch den Schutz der Ewigkeit in diesem Schwur wiederfanden.
Als ich Dir mein goldenes Versprechen an den rechten Ringfinger steckte, nahm ich Dir damit nur einen Teil der Tränen, die Dir freudig und auch überglücklich über die Wangen liefen, und als Du mir meinen Ring zum Bund dargereicht hast, hörte ich Deine sanfterklingende, herzfeine und brisenhafte Stimme wie von Schneeflocken hereingetragen an mein Ohr ertönen. „Ich brauche keine Hochzeitsglocken, noch ein weißes Kleid, es macht mich glücklich, wenn wir es wissen und im Herzen bewahren. Ich liebe dich! Ich liebe dich mehr als sagen, beschreiben, mir aus dem Herzen entnehmen kann und weil ich nie zuvor so gefühlt habe, weis ich, daß es richtig ist, aber möchte ich dich einzig nur um eines bitten?“, hierbei weinte sie wieder mehr, Sturzbäche aus Tränen rollten über ihre Wangen, landeten auf ihren Lippen, wodurch es ihnen mitsamt dem hereingebrochenen Licht einen unerklärlichen Silberschimmer aufmalte als sie meine Hände ergriff, sie festhielt, fester und fester als fürchtete sie ein plötzlicher kraftvoller Windstoß könnte sie mir entreißen, und ich irrte nicht als sie flüsternd zu mir sprach: „Halte mich nur mein ganzes Lebenlang fest!“, bat sie mich inständig als hinge all unser Glück, all unsere Freude, all unsere Zukunft und sogar das Leben selbst davon ab.

Wenn ich jetzt an diesen verschneiten Märztag zurückdenke, noch immer ihre salzigen warmen, liebevollen Tränen auf meinen Lippen schmecke wie ein süßes Versprechen und ein geheiligter Schwur, weis ich in der Tiefe meiner Seele mehr als ich zu wissen meinte, denn wir fühlten es Beide in aller Ruhe und Seligkeit – wir haben es seit Beginn immer schon gefühlt: Leesha und ich haben unseren eigenen Himmel erschlossen!

20.3.15 15:14, kommentieren

Die finstren Tage

Heute habe ich Dir viel aufwühlerische, viel erschütternde Emotionen offengelegt, mein wundes Herz Dir ausgeschüttet, da sonst niemand zum Reden hier zugegen ist, aber das macht mir nichts mehr aus, denn auch im Krankenhaus – als ich bewegungslos im Bette zugebracht – habe ich trotz des Wissens nach Dir Ausschau gehalten, Dich in der schmalen dünnen Reflexion des Fensterschimmers aufgesucht, obwohl ich meinen Blick nicht heben konnte, doch Du bist dagewesen. Das Piepen der Geräte um mich herum, die vielen Infusionen – irgendwann habe ich sie zu zählen aufgehört -, mich mehr den Schatten an den Wänden zugewandt, den lauten Geräuschen um mich herum und der Stille in mir drinnen.
Die Stiche der Nadeln, die Kanülen, habe ich gespürt doch nichts schmerzte mehr als die Empfindung, daß Du nicht bei mir warst, vermißte ich jeden Wimpernschlag ohne Dich. Im Zimmer schwebte dumpf und dick der Geruch von Desinfektionsmitteln und weiße Kittel flogen eiligst um mich herum wie Geister um die Wiederauferstehung buhlen, jedoch suchte ich zwischen all den hereinverirrten, mich verlassenen luziden Lichtschimmern Dein Gesicht, doch ich fand es nicht. Meine Regungslosigkeit machte mich schwach, dabei klopfte mein Herz stark, und obwohl ich es nicht nach Außen hin – nicht zu diesem Zeitpunkt – zeigen konnte, bin ich innerlich in einem Ozean aus Tränen bis auf den Grund meiner Trauer tiefversunken. Dort unten glitt ich dahin, schwerelos, wissend, bang und in meiner schwarzen Düsternis eingefangen und völlig losgelöst.
In der für mich erlebten Ewigkeit fand ich keinen Trost, nichts wonach es linderungsreicher ausfallen wird, da ich wußte, daß die Pein niemals endet, der Schmerz sein ständiges Kommen verspricht, auch wann sich die Gefühle schneiden und die Seele in ihrer Finsternis heimisch wird.
„Schau mich an“, hast Du oft zu mir gesprochen, dabei mich lieb angesehen, freudstrahlend und glühend, „solange wir zusammen sind, können wir alles schaffen“, und dieser glaubhafte, starke, bindende Zauberspruch war alles, was ich benötigte, um im Leben nichts auf Sand zu bauen. Doch nun trennt uns mehr als die Ewigkeit, Leesha, es liegt soviel an atembarer Zeit zwischen uns, was mir oftmals unbegreiflich scheinen will, und ich kann nicht glauben, es nicht fassen, daß das Schicksal welches uns zusammengeführt hat, uns binnen eines Augenblicks mit einem Hieb wieder für Immer entzweite. Und soll ich mir eingestehen: ohne Dich kann ich nicht leben, ohne Dich kann ich einfach nicht mehr sein?
Zusammen haben wir die Sterne vom Himmel geholt, jeden Tag immer mehr, und es war wunderschön, solch ein erhabenes, glorreiches Gefühl, als gebe es für uns keinen Morgen, nur noch den Stillstand in jedem Herzschlag, wann immer wir zusammengewesen sind. Wir haben soviel in unsrem Leben erduldet, gegen die Wogen des Ignoranz angekämpft, zum Teil gewonnen, zum Teil verloren, jedoch hat uns – ob Sieg oder Niederlage – nichts zersprengt, denn wir haben gewußt, daß wir zusammengehören: Auf Immer und Ewig bis das der letzte Vorhäng für uns fällt!

Leesha…ich schreibe Dir in jeder Zeile und doch ist es nicht vergleichbar als ob ich meine Stimme Dir hörbar machen kann, und dieses große vernichtende Schweigen, welches zwischen unsren Wänden eingezogen ist, wirkt kerkerdick und die Gefangenschaft setzt dem kein Ende. Tief im Inneren will ich zuversichtlich bleiben, vorausschauen und anhand von Zeichen erkennen, wann sich das Blatt wendet oder wann sich der Wind dreht, aber solange nichts passiert, spüre ich umso schmerzlicher das Leid in mir drinnen bleiben und auch: das es somit nie vergeht!

1 Kommentar 19.3.15 18:44, kommentieren

Für die Ewigkeit bestimmt!

Heute habe ich bis ca. 14 Uhr geschlafen, was kein vorteilhaftes Licht auf mich wirft, dazu – nicht als Verteidigung eher als Verdeutlichung – möchte ich anfügen, daß ich bis fast vier Uhr kein Auge zutat, mich gedankenschwer umherwälzte, mich unter der Decke verkroch wie ein armes verletztes Tier und mehr als kläglich seufzte. Mehr als Dreiviertel der Nacht habe ich wieder mit Weinen verbracht bis mein Kissenbezug völlig durchnäßt gewesen ist, ich ihn umdrehen mußte, um danach gleich wieder völlig herzschwer und wundgerieben mich den Tränen hinzugeben bis meine Augen brannten als weinte ich flüssiges Feuer. An Ketten und Seilen gebunden ist mir als ziehe mich etwas tief hinunter, bis ich keine Luft mehr kriege, es mir die Kehle zuschnürt und eine harte Eisenfaust mir den Rest an Atem aus der Lunge preßt, bis ich mich des offensichtlichen Gefühls nicht erwehren kann: ich bin lebendig begraben! Dies geschieht nun jede Nacht, seit der Schmerz gekommen ist, das Leiden nicht mehr fern, und die Zudecke wird mir zur Gruft. Verstecken, darin bin ich nach all der Zeit meisterhaft und beispielgebend geworden, die Welt außen vor lassen, mich in meiner kleinen Wohnung verschanzen als gebe es kein Morgen. Vielleicht habe ich noch das räumliche Empfinden vom Krankenhaus in mir in dem ich monatelang lag: ein Zimmer, vier Räume, über vier Wochen Koma und haufenweise Physios hintenangeknüpft! Aber das soll freilich nicht als Ausrede gelten – letzten Endes, ich weis, liegt es ganz entschieden an mir und an mir allein wird es auch scheitern.
Sicher, ich weis nicht wann die Tage enden, was die Nacht mir bringt, oder wieviel Leid ich noch ertragen muß, bis mich die Zeit endlich freigibt, aber das einzige was ich noch weis ist, daß ich Leesha in meinem Herzen bewahre, und diese Leere kann niemand sonst in mir auffüllen. Doch ich habe Angst, soviel schrecklich unbeschreibliche, nicht in Worte zu fassende Angst davor mir selber im Spiegel zu begegnen, um zu erkennen wie armselig ich doch bin: noch immer ein seelenkleines Mädchen welches sich hinter der Maske seiner eigenen Schmerzen verbirgt und in jeder Träne nach Erfüllung sucht! Außer zur Therapie verlasse ich sonst nicht die Wohnung, außer wenn ich spät nachts den Müll runterbringe, die Post hole, oder ein Mal in zwei Monaten den gewagten Schritt nach draußen für einen Einkauf riskiere. Indes habe ich mir angewöhnt nicht viel zu essen, eine geringe Mahlzeit am Tage damit ich nicht sooft raus unter Menschen gehen muß, und mein wohnlicher Mikrokosmos – mein eigener hermetischer Lebensraum – ist mir die meiste Zeit überwiegend Schutzwall und Bannzauber zugleich, da ich nicht über die Grenzen meiner sozialen Phobie seit Damals hinauskomme. Zuviel spukt mir im Kopf umher, ein Drahtseilakt, der mich die Sicht verschwimmen läßt bis ich meine kopfüber in die Finsternis zu stürzen. Da ist niemand, der mich auffängt, alle haben mich verlassen! Keine Familie, die einem die Hand reicht; keine Bekannten für einen Gruß; keine Freunde für einen kurzen Besuch, aber dabei will ich nicht in merkliches Selbstmitleid versinken, diese Zeit liegt längst hinter mir. Einkehr finden, sich eingestehen was die Realität um einen herum ausmacht, sie zur dickwolkigen Blase geworden ist, kann auf Dauer ziemlich erdrückend sein, und wenn ich ganz still bin, in mir drinnen für Ordnung sorgen will, geschieht es einzig indem ich die Zeit im Gedächtnis zurückdrehe. Dann liege ich im Bett, drehe das Stundenglas um und Leesha ist wieder bei mir. Ihr Atem weht mir lebendig entgegen, läßt mich sein wer ich sein will, und ihre Hand ergreifen gibt mir Halt, um nicht vom dünnen Draht runterzufallen. Wieso kann ich nicht seit Damals ein Lebenlang weiterschlafen? Die Ärzte hätten mich im künstlichen Koma behalten sollen, dann hätte ich mir auch die Strapazen des „apoplektischer Insults“ danach erspart, und die Welt liege noch in finsterer flauschiger Watte und das Leben wäre ohne Schmerz und Pein!
Mein derzeitiges Leben ist sicher alles andere als vorbildlich, als tunlich, doch kann ich nicht über meinen Schatten springen, mich selber innerlich mit Gewalt bezwingen, was mich umso jämmerlicher Macht. Früher war ich stärker, viel stärker, selbstbewußter und ehrgeiziger, ambitionierter für unsere Zukunft, die nun nicht mehr ist, denn seit dem Tag an dem Du gegangen bist, hat die bekannte Welt für mich sich aufgehört zu drehen!
Andere suchen Trost, Mut, Zuspruch in der eigenen Familie, die ich nicht habe, oder lehnen sich bei Freunden an die weiche verständnisvolle Schulter, aber ich bin seit voriges Jahr ganz allein nun hier unten unterwegs, weil der Graben zutief gezogen, die Kluft zuweit gemacht und die Dunkelheit uns alle überschüttet hat. Seither habe ich keinen Kontakt zu Deinen Eltern, sie sind fort, aus meinem Leben verschwunden und keine Zeile, kein Wort, da zu groß der Schmerz des Wiedersehens jener ihnen bei einer Begegnung mit mir die salzigen Wunden größer reißt!
Wenn ich am offenen Fenster stehe, nach draußen sehe, die Region herum betrachte und wie heute die Sonne hinter einem ätherisch blaßfarbig blaugemalenen Himmel scheinen sehe, höre ich aus der Nachbarschaft ein helles frommes Kinderlachen zu mir hertönen. Doch dann verstecke ich mich, drücke mich mit dem Rücken an die Wand und mein Herz beginnt laut zu klopfen, ganz hoch und dumpf, und unweigerlich muß ich daran denken, daß auch wir vorgehabt haben, eine wundervolle Familie zu gründen, Kinder – fröhlichstes Kinderlachen – wollten wir zwischen uns bringen, sie lieben, mehr lieben, sie mit aller Güte und Toleranz für ein besseres Leben erziehen. Es sind keine zum Scheitern verurteilten Seifenblasen gewesen, wir wußten es, aber jetzt erscheint es mir beinah als sei alles ein Traum gewesen, bis ich mich Deiner Worte entsinne, sie in mir wachrufe und weis wie sehr wir an dieser familiären glückseligen Vorstellung – an dieser vielversprechenden durchführbaren herzlichen Zukunft - gehangen haben. Wir standen bis zur letzten Haarspitze in wahrhaftigem Glück und Freude! Es gab nichts womit wir nicht fertiggeworden sind, und sogar Deine Eltern – wo meine uns die Tür vor der Nase zugeschlagen haben – gaben uns ihren Segen für unsere Verbindung und doch war ich froh, daß mich zumindest eine Familie aufgenommen und so akzeptiert hat wie ich - wie WIR - sind. Liebe kann Berge überspringen, daran haben wir ganz fest geglaubt, und mit einem gemeinsamen großen Schritt sind wir über die größte Hürde getreten. Noch immer, wann immer ich daran denke, erfüllt es mein Herz mit solch einer wohlsamen herrlichen Wärme, wenn es mir auch gleichzeitig die bittersten Tränen in die Augen drückt. Aber genau wie Damals, so glaube ich auch heute noch ganz fest daran: Wir sind Beide für die Ewigkeit bestimmt!

1 Kommentar 19.3.15 15:37, kommentieren

Auf Immer und Ewig!

Die Nächte in denen ich wache werden immer länger und ausgedehnt wird der Versuch in meiner Dunkelheit Schlaf zu finden, sobald ich die Lider schließe, dahinter – auf dieser übergroßen tiefen Leinwand – Dein Gesicht erkenne, ist mir als spule ich unser gemeinsames Leben auf den Anfang zurück und will das Ende, diesen verhängnisvollen Tag, gar ganz samt Abspann abschneiden. Leider lehrt einem die Wirklichkeit, daß selbst Abschiednehmen mit dazugehört, ob es einem gefällt oder nicht, denn der Verlust wird einem mit jeder Szene in aller Härte aufgezwungen.
Es gibt kein Grab von Dir, keine letzte Ruhestätte, sonst wäre ich bei Dir, Dich besuchen gekommen, aber Deine Eltern haben Dich in diesem kleinen unscheinbaren, fragilen Gefäß mitgenommen und nicht mal ein herzliches Symbol, daß Du gewesen bist, ist greifbar hier für mich in aller stiller Andacht zurückgeblieben. Doch brauche ich einen Grabstein mit Deinem Namen darauf? Einen schwarzen hohen Granit mit goldenen Lettern, ein Epitaph vielleicht, um Deiner andächtig und in Abbitte zu gedenken? Nein, denn Du bist immerzu bei mir, tief in meinen Gedanken sowie fest in meinem Herzen eingeschlossen. Du hast mich Dich erfahren lassen, mir wundervolle sechs Jahre meines Lebens geschenkt, die ich nimmer vergessen, mich stets treu zurückerinnern werde und weil Du mir kostbarste Schätze im Gedächtnis hinterlegt hast, wirst Du solange ich atme, solange mein Herz schlägt, solange ich lebe auch immerfort ein fester Bestandteil meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sein!
Heute Morgen als ich noch gar nicht die Wimpern hochzog, auf die schwarzen Vorhänge meiner Augenlider stierte, besann sich mein Innerstes an den Tag zurück – an jenem segensreichen Morgen -, den Morgen unsrer Verlobung von vor drei Jahren, und mir ist als sei indes kein Moment vergangen, da ich alles noch deutlich vor mir sehe, denn jeder verstohlene Lichtschimmer und jeder heimliche Schattenflug, jedes sanfte Schimmerwehen und auch jedes zarte Schemenhauchen ist als fester, unauslöschlicher Abdruck in meinem Tempel der Erinnerung geblieben.
Da lagst vor mir im Bett (auf einem federweichen Altar) auf der Matratze, früh und ganz verschlafen, und in Deinen smaragdgrünen Augen sah ich meine/deine/unsere ganze Welt in einem Meer aus glanzumwobener Prophezeiung sowie in einem endlosen kosmischen Zwinkern aufleuchten. Dafür gab es keine poetisch gerechte, lyrisch frohlockende Beschreibung, da Du mit Deiner seligen Anmut weit darüber throntest, bis mein durch Dich begnadigtes Herz vor glückverheißenden, freudvertonten Melodien einem himmlischen feinkehligen Chor aus gefiederten Engeln glich.
„Guten Morgen Schlafmütze“, tippte ich Dir verspielt wie sonst gerne auf die Nase und Du hast mich näher an Dich herangezogen, so daß Deine Wärme kräftigender, spürbarer auf mich überging als habe sich jäh eine raumumfassende Sonne zwischen uns als Glücksstern geschoben.
Deine Hände haben mich berührt, mein Gesicht umfaßt wie ein verlorengeglaubtes Portrait und Dein Lächeln war die malerische Vollkommenheit in jedem geatmeten Augenblick. „Hab ich lang geschlafen?“, klang es fein, harfensanft und allein Deine Stimme hören, sie vernehmen, diesen zart-behauchten Ton entknotete allen Argwohn, alle Mißgunst, und nahm alle Sünde von meiner Seele. Du schenktest wahrlich Absolution.
„Wir haben noch den gesamten Tag vor uns“, strich ich mit den Fingerknöcheln über deine pfirsichweiche glatte Wange, sah Deine makellose Haut wie porzellangebrannt kostbar und übernatürlich schimmern, und die Sonntagssonne gab ihr verheißungsvolles Beispiel an Leuchtkraft.
„Was werden wir heute machen?“, rauntest Du Deine Frage und irgendwie habe ich sie kommen gefühlt, wollte ich ihr vielleicht auch vorgreifen, weil ich in mir schon ein Wunder vorbereitete, für uns, weil die Realität sonst keinen glorreichen Spielraum zuließ, doch in unsrer Welt war vieles möglich, was wir bewirken konnten, solange es unser Schicksalsband verknüpfte als seien wir Beide Elemente in einer zeitlosen Beständigkeit.
„Ich hab mir da schon etwas überlegt“, küßte ich kurz Deine Lippen, diese zarten liliensanften und rosablassen Kelche, die süß und verführerisch mir zugewandt als haben die Paradiese ihre Tore eigens für mich geöffnet, so wie immer, und von Deinen Lippen trank ich Magie sowie wahre Unsterblichkeit als sei es der heilige Gral. Dabei durchfuhr mich stets eine solch druckvolle, überweltliche Hitze und Dich zu küssen war wie mit Dir zu schlafen und mit Dir zu schlafen war wie Dich zu küssen; diese Gefühle, atemberaubend, unvergleichlich, dafür gab es keine Worte oder annähernd eine Beschreibung jene es je in Liebesgedichten schafften, denn die Einzigartigkeit Deines Wesens stand über meiner Fassungskraft.
Du gucktest neugierig, Deine Augen suchten mich, fanden mein einfühlsames Lächeln und ich flüsterte ganz verschwiegen als sei ich an der Zubereitung eines Zaubertrankes interessiert, und Du durftest die jeweiligen Formeln nicht sehen. „Schließ bitte deine Augen“, bat ich zartfühlend.
Du gehorchtest, vertrautest mir, denn zwischen uns gab keine Ungereimtheiten, keine verletzlichen Geheimnisse, da wir uns erklärten, rein sowie tugendsam in jeder denkbaren Weise offenbarten als enthüllten wir unser Heiligstes und ließen doch noch genug Raum für die Reize hinter den delphischen Flurennebeln. Du warst für mich all mein ganzes Sein, meine Welt, mein Universum, Ligeia, Berenice, Eleonora und Morella in einer Person, die geprießene Glanzverkündung jene in keinem Psalm Erwähnung fand weil sie zu wahrhaftig war und nicht für Menschen irdisch gemacht. Wir standen über dem Dasein, über der Zeitlichkeit als Rechnung, denn wir wollten in jeder Berührung ewiglich zusammensein.
Aus der Schublade holte ich zwei Dinge hervor. Zunächst nahm ich einen Bindfaden, dann Deine schlanke und wohlgestaltete Hand und band Dir einen Teil um den linken Ringfinger. Anhand Deiner stillen Reaktion, hinter Deinen geschlossenen Lidern lüftetest Du inzwischen tausenderlei Geheimisse und enträtseltest die Geräusche und meinen regen Atemzug, den ich kontrollieren wollte, doch meine Aufregung – meine emotionale Vorfreude – war der Gelassenheit nicht stark genug an Ruhe gewachsen. Du hast kein Wort gesprochen, mir vertraut, mich weiter tun lassen.
Mein Herz klopfte wie wild, völlig nervös, was sich in meinen kalten Händen wiederfand bis ich brisenhaft meine Stimme erklingen ließ. „Du kannst die Augen nun aufmachen“, und Du hast sie aufgetan aber lediglich einen Faden erblickt, der um Deinen linken Ringfinger gewunden war. Du hast keine hörbare Vermutung angestellt, wahrscheinlich hast Du es innerlich gemutmaßt, jedoch keine einzige Silbe über Deine Zunge gleiten lassen, lediglich das grüne Feuer in Deinen Augen mitsamt einem frühlingshaften Lächeln an jenem Februarmorgen zum erwartungsvollen Glühen gebracht. In Deiner Nähe war ich körperlos und doch mehr als an Leben als ich mir selber zutraute, zu sehr Mensch um Mensch zu sein!
Und als ich den Silberring hervorholte hast Du mit einem noch breiteren Lächeln geseufzt, Deine Augen erstaunt aufgerissen als sei im weiten und unendlichen Kosmos eine neue, eine für eigens geborene Galaxie entstanden als ich den Ring über den Weg des Bindfadens langsam auf Deinen Finger habe gleiten lassen. Dein Gesicht war voller Leben, Deine Wangen bekamen solch einen edlen Schein von Alabaster, als seist Du nun in wertvollstem Marmor gemeißelt wie es die griechischen Büsten und Seraphfiguren in den verehrten und fackelheiligsten Tempeln gewesen sind. Du bist meine unschuldige Prinzessin, meine würdige Königin, mein Herzschlag weil wir unser Schicksal immerfort erfüllten und so auch an jenem Tage als ich vor Dir hoch und heilig schwor: „Mit diesem Ring will ich dir sagen, daß ich bis zu meinem Lebensende bei dir sein möchte, Dir lieben, ehren, beschützen, daß ich stets neben dir einschlafen und neben dir aufwachen möchte. Ich möchte den Rest meines Leben mit Dir verbringen, weil du das größte Geschenk bist, daß mir in meinem Leben gegeben worden ist und ich will dir hiermit versprechen, daß ich bis zum letzten Tag alles daran setzen werde Dich glücklich zu machen, denn nichts geringeres hast du verdient. Ich liebe dich sosehr, Leesha!“ Die Worte habe ich bis zum heutigen Tag im Gedächtnis behalten, mögen sie für viele eher wie ein Eheversprechen klingen, aber nichts weniger hätte ich an unsrem Hochzeitstag, wenn wir vor dem Traualtar gestanden hätten, zu ihr in aller dargebotenen ehrlichen Sehnsucht ausgeführt und versprochen. Jedes Wort war mit einer aufrichtigen, herzreinen, trausorgenden Schleife verziert und Feuchtigkeit drang mir auf die Wimpern.
Doch Leesha hat daraufhin zu weinen begonnen, Tränen des Unerwarteten, Tränen des Glücks wie sie mir später verriet, da sie derartig überwältigt war und für Minuten und danach nicht die Flut an nassen Perlen stoppen konnte. Die wonnigen Schauer haben sie übermannt wie eine rauschende Welle des großartigen Entzückens, der puren gleißenden Euphorie, wobei in ihren Augen ein tiefer grüner See sich wie eine große Erwiderung ihres sehnlichsten Herzenswunsches zu einem Leuchtfeuer verband. Und ihr Kuß als ihre Lippen mit der Süße ihrer Liebe und dem Salz ihrer Tränen mich trafen, mich benetzten und in aller Glückverheißung berührten, kostete ich mehr als den Geschmack ihrer herzlichen, herrlichen, vollkommenen Träume. Wir durchschritten Beide ein Wunderland, ein Elysium und die Insel der Seligkeit gehörte uns zweien allein!
Ein Kuß, der zwei Herzen verbindet, die Seele in einen bunten Schauerregen, warm und frohsinnig stellt, läßt einen wahrlich von Innen heraus in solch einem ewigwährenden Glückmoment verbrennen und als sie ihren schmalen süßen Mund öffnete hörte ich die Engel zu mir singen. „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen als den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen, Shane“, erfüllte sie meine Brust mit mehr als einem Wohlbefinden, sondern ihre strahlenden Träume, die unsere Träume gewesen sind, färbten sich durch Zeit und Raum in aller Unendlichkeit ab. Leesha weinte noch immer fröhlich, von meiner Geste, meinen Worten - dem Tag unserer Verlobung - ergriffen und eingenommen, als sei es wirklich der Tag an dem wir Hochzeit halten sollten, und ihre Stimme klang feierlich und würdevoll, doch umso mehr goß es ein göttliches Licht auf mein Herz als sie ihres für mich öffnete, ihre Arme um mich schlang und schicksalsgepriesen unter Tränenbächen treu schwor: „Ich liebe dich!“

Wenn ich jetzt, nach all der Zeit noch an diesen Morgen zurückdenke, spüre ich die gütige, himmlische Zärtlichkeit ihrer Berührung noch auf mir wie ihr Atem meinen Hals streift, ihre Tränen meine Wangen zum Glänzen brachten, warm wie frühlingsreine Tautropfen auf Rosenkelche sitzen und in mir trage ich noch die ungeahnte, paradiesische Hitze welche sie mir gab als sie ihre Brust an meinen Körper drückte, ihr Herz nahe meinem schlug und dieser gleichgehaltene verbindliche Rhythmus war es jener unsere Leben miteinander über die Grenzen des Daseins hinaus unzertrennlich verband. Darum weis ich, daß mit ihr – mit Leeshas Tod – auch der Teil in mir selbst voriges Jahr gegangen ist, denn mit ihr ist auch scheinbar mein Herz gestorben. Es schmerzt wie nichts zuvor je geschmerzt hat als sei mir das Herz aus der Brust gerissen worden.
Leesha hat das Beste, Schönste, Reinste, Erhabenste in mir zum Vorschein gebracht, mich zu dem aufrichtigen tugendreichen Menschen gemacht, der ich immer sein wollte, weil es keine größere Erfüllung auf Erden gibt als: aus tiefsten Herzen zu lieben und auch geliebt zu werden!

18.3.15 15:16, kommentieren

Furcht der Menschen vor Toleranz

Als ich noch arbeiten gegangen bin, mich in der Zeit von vor über einem Jahr mitten in der Arbeitswelt befand, durfte ich es immer wieder konkret und einschlägig feststellen, als ich mit meinen Kollegen in der Kantine oder im Aufenthaltsraum saß und sie mich nach meinem Privatleben ausfragten. Natürlich hätte ich hier notlügen können, mich freiwillig aus der Schußlinie bringen, aber wieso sollte ich mich dabei selbst belügen?
Um die Spannungen im Arbeitsumfeld geringer und weniger polarisierend zu halten, hätte ich genausogut mir selber die Zielscheibe vom Rücken reißen können, um somit das Fadenkreuz aus deren Sicht- und Denkweise zu nehmen, jedoch dachte ich mir permanent – auch in Anbetracht meiner persönlichen Situation – wird es sowieso bald auffallen, und zugegebenermaßen haben Leesha und ich uns vorgenommen nicht vor der Gesellschaft uns selber auszuklammern oder gar im weiteren Verlauf uns selber durch Zurückhaltung und Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Abseits zu spielen. Darum, wir Beide, blieben wir im Kampf für UNS als Paar, für UNSERE LIEBE bei der delikaten schrankenlosen Ehrlichkeit.
Und weil wir uns selber nicht ins Aus spielen wollten, für Gleichstellung und Gleichwertung, Ebenbürtigkeit und Emanzipation rangen, waren die Augen meiner Kollegen hinterher umso größer als ich ihnen mitteilte, ihnen verriet, ihnen ernst und sachlich erläuterte, daß ich als Frau auch mit einer Frau zusammenlebe, und ihnen im Zuge dessen unsere nicht selten vorkommende Lebensweise zwischen Leesha und mir näherbrachte.
Was folgte war natürlich Unverständnis, Starrheit, ein Blick, der mir verdeutlichte, daß es ihr Horizont nicht beleuchtete, obwohl ich ihnen die Bezeichnung „Guydyke“ explizit, eloquent, mit aller dargebotenen aufrichtigen Beschreibung erläuterte, aber wie auch meine Eltern bildeten sie sich eine kongruente Meinung zu „schwul“ und ebensolchen Verhaltens- und Lebensweise, und ich wußte, es lag nicht an einer zu kurz oder unklug geratenen Schilderung oder Beispielgebung oder daß ich ihnen unsere Beziehung zu kurz angebunden oder auch detailarm erklärte, da ich obendrein auch vermitteln wollte, jedoch verankerte sich in deren Verstand, in deren Sichtweise lediglich ein Ankerpunkt eines heterosexuellen Verhältnisses und alles was über diese klar eingefaßte Linie hinausging, war für sie unbetretenes Neuland. Es schüchterte sie vehement ein! Und menschentypisch ist, daß alles was neu ist, ihnen unheimlich vorkommt und was sie nicht verstehen, fürchten sie umso mehr! Alles was in einem abgeschlossenen System nicht der Norm entspricht wird gesellschaftskritisch betrachtet und ebenso höchst rigide behandelt!
Letztlich, was ich davon als Resultat meiner Aufgeschlossenheit als Ergebnis unterm Strich als Summe herausbekam, war eine aversiv gehaltene mentale Verbotszone, eine Abwehrhaltung sondergleichen, daß ich alsbald im Betrieb, da sie es weitererzählten als schwul verschrien war, obwohl ich es in diesem Kontext nicht war, da ich innerlich lesbisch veranlagt bin, auch in diesem Zusammenhang eine Frau – meine geliebte Leesha – liebe, aber sie es in ihrem kleinkarierten, engstirnigen, konservativ eingebrannten Hirn nicht rational zu differenzieren vermochten. Was folgte war eine Gleichstellung aller sexuellen Orientierungen – als ziehen sie eine gleichwertige Parallele -, weil sie trotz meiner eingängigen Unterrichtung und klar aufgeschlüsselten Abgrenzung zwischen den Begriffen „Guydyke“ oder „Girlfag“ sie dahin soweit profund unterwies.
Obwohl ich besonnen, gelassen, sachlich und vernünftig auf ihre Einsicht, auf den normalen Menschenverstand appellierte, erhielt ich dieselbe Auswirkung wie schon bei meinen Eltern und war innerhalb kürzester Zeit am Abstellgleis gelandet, was mir wieder die Tatsache als Warnschuß zeigte: mit Ehrlichkeit kommt man nicht weit! Wieso wir im Leben immer mit unhaltbaren, hohlen, phrasenhaften, engherzigen Vorurteilen bombardiert werden, obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, war mir ein Rätsel, aber letztlich kann ein Großteil der Menschen nicht aus ihrer eingefleischten geistigen Haltung ausbrechen oder gar aus ihrer maßgeschneiderten ideologisch geprägten Haut sich schälen. Nicht im Mindesten, nicht im Ansatz einer empathischen Annäherung folgte ein verständnisvolles Entgegenkommen, sondern eine maliziöse Haltung.
Trotz ihrer durch Oberflächlichkeit posaunten Diskriminierungen machte ich niemanden Vorhaltungen, klagte an, zeigte mit dem Finger auf ihre grobschlächtige Anschauung oder primitive Einstellung zu diesen Thematiken, obwohl heutzutage in solch vermeintlich aufgeklärten Zeiten Ignoranz keine Selbstverständlichkeit mehr sein sollte, jedoch habe ich niemanden deswegen an den Pranger gestellt oder mich als Agitator aufgespielt, obwohl ich letztlich nur durch Mediation vermitteln versuchte.

In meinem Leben habe ich bislang selbst zuviel an Zurückweisung, an Konterverhaltung eingeholt, sodaß ich unmöglich selbst zum Geschütz greifen kann, um einige martialische Salven abzufeuern, stattdessen bin ich zu pazifistisch und utilitaristisch sowie solidarisch veranlagt.
Wer selbst ein Lebenlang am Boden liegt, getreten wird, sollte nicht rachsüchtig in die Fußstapfen seiner Peiniger treten, da Haß bloß Haß schürt, darum habe ich sozial motiviert sowie rational ausgelegt auf die Intelligenz der Menschen gesetzt, in der Hoffnung nicht enttäuscht zu werden.
Leider führte deren kollektive Diffamierung letzten Endes es auch unweigerlich zur Kündigung, wobei es letztlich hieß, ich passe nicht in den Betrieb und eine Beschwerde auf der „Arbeiterkammer“ brachte keinen Erfolg, da es seitens der „Ombudsstelle“ hieß: ohne Beweise, sprich Zeugenaussagen zu meinen Gunsten, können sie den Verdachtsmoment oder den gesamten Sachverhalt nicht erhärten, näher verfolgen oder gar für einen positiven Abschluß für mich bringen. Und da niemand in meinem Fall aussagte, mir niemand seine menschenwürdige Stimme lieh – allesamt hinterher natürlich feige und rückgratlos blieben -, schoß ich mir mit dem gehegten Vertrauen in die „moderne“ Menschheit ein Eigentor, wobei ich schon bei meinen Eltern ein untröstliches Lehrgeld zahlte. Rückblickend, resümiere ich das letzte Jahr zurück, weis ich nun, daß ich wirklich zuviel voreiliges Vertrauen – vielleicht sogar naive Idealisierung – in die Menschheit setzte, denn wo mir nicht nur meine Eltern, sondern auch meine vermeintlich guten Freunde den Rücken zukehrten (sich die Spreu vom Weizen trennte), sind mir am Schluß – zum jetzigen Zeitpunkt -  nicht mal mehr Leeshas Eltern (sogar nach sechs Jahren Beziehung), obwohl wir dieses Jahr vor der Traualtar treten und uns das Ehegelübte geben wollten, als familiäre Unterstützung an meiner Seite geblieben. Als ich nach der monatelangen beschwernisreichen Krankenhauszeit samt kämpferischen Physiotherapie wieder einigermaßen gesundheitsbedingt klar zu denken vermochte, dachte ich bisweilen schwarzdüster, daß es wohl für alle Beteiligten nach diesem schicksalsschweren Tag besserbestellt wäre, wenn Leesha und ich die Plätze nach dem Unfall getauscht hätten, da auf mich weder eine Familie noch Freunde warteten, und Leeshas Familie an diesem verhängnisschweren und folgenreichen Tag den Verlust einer Tochter und Freundin beklagten. Und selbst, um ehrlich zu sein, dachte ich nicht selten daran, bestünde die Option damals oder auch heute, daß ich mein Leben für sie geben dürfte, zögerte ich keinen Wimpernschlag, wenngleich ich auch im nächsten Augenblick in aller humanen sowie moralisch verantwortungsbewußten Vergewisserung definitiv weis: Leesha wird mich für diese getroffene Entscheidung Auf Immer hassen!

 

 

17.3.15 22:02, kommentieren

It Can't Rain All the Time!

Heute Nacht hörte ich es ans Fenster klopfen, sacht und beinah willkommen, und für einen Moment, dann mehr und immer mehr hat es mich für die Trautheit eines Herzschlages gleich an den Tag zurückgebracht als wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Dies sehe ich nun wieder vor mir, spüre, schmecke, lasse alles um mich herum entstehen als blende ich die jetzige Gegenwart aus und ersetze sie durch unsre Vergangenheit.
Damals, ich war sechzehn Jahre jung, habe ich in der Fußgängerzone ein Sommerpraktikum in einem Buchladen über zwei Monate absolviert, um einerseits Berufserfahrung zu sammeln und andrerseits mir etwas finanzielle Unabhängigkeit zu verschaffen -, es ist zwar nicht viel bezahlt worden, aber letztlich, wie in so vielen Belangen, ist es der Gedanke der zählt und oftmals überwiegt er jeden weltlich geltenden Vorteil.
In der Pause als ich übers Pflasterstein wanderte, in die Auslagen der Geschäfte mir Dinge ansah, die ich mir nicht leisten konnte, spürte ich es auf meine Wange tröpfeln und binnen eines Wimpernschlages wie auf Knopfdruck begann es mächtig zu schütten und teilte die Menschentraube wie ein Schnitt auf zwei Seiten auf. Auch ich suchte einen Unterstand, ein trockenes Plätzchen und fand ihn auch unter einer breiten Markise eines Eissalons. Noch während ich dastand, auf meine durchweichten Schuhe achtete, wandte ich den Blick nach links – da standest Du!
Dir fielen einzelne Tropfenketten wie Perlen auf die Kleidung und sie beglänzten Deine zarte Haut, Dein edelgerahmtes herzförmiges Gesicht, worauf zwei grüne Augen, die ich deutlich sah, mich magisch anzogen und Dir war meine Faszination für Dich scheinbar auch nicht entgangen. 
Scheu warst Du und sogleich, dafür brauchte es keinen zweiten Blick, erkannte ich träumerische Anmut an Deinem Wesen, die mich magnetisch anzog und angetan war ich seit jenem Moment von der überwältigenden Friedsamkeit und salbungsvollen Ruhe mit Deiner Anwesenheit. Doch wie sollte ich Dich ansprechen – Du bist an jenem Tag gerade fünfzehn Jahre gewesen und doch solch eine selbstbewußte, charakterstarke und zielstrebige Frau -, es steckte mir ein Kloß im Hals, auch merkte ich plötzlich einen Knoten in meiner Zunge und je öfter ich unbeholfen sowie verstohlen zu Dir schielte, Dein tropfnasses Äußeres Dich zu einer feinpolierten Engelsstatue machte, umso sichtbarer ersetzte ich mein offenbar ungeschicktes Verhalten mit einem herzlichen Lächeln welches ich für Dich übrig hatte. Du hast mich seit dem ersten Bild von Dir in den Bann geschlagen, Deinen Zauber geübt – Du bist eine graziöse Fee gewesen, wundervoll und hast mir ohne zu fragen den sehnlichsten Wunsch erfüllt.
Und bevor ich in meiner Nervösität verging, in meinem plumpen, zaghaften Versuch ein paar klägliche Worte zu finden, hast Du leicht Deinen Kopf gehoben, mich mit Deinen großen grünfeurigen Augen angesehen und mein frommes, tugendsames Lächeln erwidern. Aber dies reichte Dir offensichtlich nicht, denn wo ich zu mutlos gewesen Dich anzusprechen, meine Selbstsicherheit plötzlich von der Brust in die Fußsohlen rutschte, hast Du die ersten Worte zwischen uns gefunden und hast die Ehrlichkeit in meinem Herz gleich auf die Probe gestellt. „Ich finde, es reicht jetzt langsam mit dem Regen!“, meintest mit solch einer lieblich klingenden Stimme, wobei Du kurz aufschautest, hoch zum droben grauschleierigen Himmelssilber, der sein mittägliches Tuch über uns – über zwei Menschen  -, die sich zum ersten Mal im Leben sahen, schicksalhaft spannte.
Du warst berückend, zauberhaft, ein Feenbild und wolltest gleich mehr von mir erfahren, sonst hättest Du einen anderen ersten Satz gewählt. Doch ich ging auf Deine Anspielung ein, da ich es wußte, ich es fühlte, ich diese hehre Bestimmung für uns nicht brechen lassen wollte, weshalb ich kurz verständig lächelte, aber Dich für einen Augenblick nur im Unklaren ließ, bis ich raunend dann erwidere: „Es kann ja nicht immer regnen!“
Meine Antwort, meine Entgegnung hat Dir solch ein malerisch feinfühliges Lächeln aufgezeichnet, welches einen gewaltigen Hitzestoß mir durch den Körper schickte, Du verlegen die Wimpern kurz niedersinken hast lassen, bis Du Dich in meinen Augen wiedergefunden hast. „Du bist der Erste, den ich begegnet bin, der weis, daß die Sätze aus „The Crow“ stammen“, meintest Du mit sachter melodiöser Stimme, erwartungsvoll und dankbar zugleich, doch dann sah ich es, es lag an Deinem Seufzen, wobei Dein Lächeln blieb, und letztlich verriet es Dein nächster Gedanke als sei ein Schatten über Dein Gesicht gefallen jener ebensogut den Schein einer Kerze zu dämpfen vermochte als Du schlichtweg hauchtest: „Nur schade, daß ich lesbisch bin“, erklärtest Du untröstlich und mochtest der Situation entfliehen, die Dir nun unangenehm erschien, da ich Dir wie es aussah sehr sympathisch war, Du mich nett fandest und Du ebenfalls mein Herz wissend gemacht hast, weswegen ich es sofort sprechen ließ.
Einen Schritt trat ich näher, sah die Tropfen über Deine Wangen laufen, klar wie Tau über Blüten gleitet und warmherzig gestand ich Dir ohne zu zögern: „Das stört mich nicht“, begann ich lieb und sanft zu beichten und als Du neugierig den Blick hobst, in mir die Antwort auf das Rätsel meines Denkens suchtest, kam ich Dir zuvor und komplettierte meine nächste Empfindung für Dich: „Sagt Dir die Bezeichnung Guydyke etwas?“, fragte ich und hoffte, bangte, sehnte, wobei mein Herz in diesem schrecklich aufgeregten Rhythmus schlug und meine Brust zum Bersten brachte.
Und dann geschah es erneut. Ein wonniger Schauer durchfuhr Dich, ich konnte es ganz deutlich sehen und auch spüren, denn die Welt gewann für Dich an glaubwürdiger Bedeutung, nichts war entrückt sondern faßbar, als ob ein Bild welches jahrelang schief in Deinem Zimmer hing jäh parallel zu Deiner Zuversicht nun ausgerichtet war und kurz hast Du den Stand verloren, warst geknickt und hast Dich doch abermals gefangen. Es mochte nichts, doch gleichsam alles erkennend machen, da wir uns ineinander gleich erkannten, als der Regen plötzlich zurückging und das erste silbrig getaufte Licht vom aufgebrochenen Himmelsflur stieß und achtbar all seine seraphische Herrlichkeit in Deinen Augen hinterlegte.
Dann hast Du mir Deine Hand entgegengestreckt und mir Dich lächelnd vorgestellt: „Ich heiße Leesha“, nanntest Du zuckersüß Deinen Namen.
Dein Name schmolz mir auf der Zunge, auf den Lippen dahin und ich war an der Reihe: „Ich heiße Shane“, sagte ich im herzlichsten Tonfall.
Du hast plötzlich gekichert, ganz verstohlen doch merklich und schlau hast Du just festgestellt: „Du hast einen Unisexnamen, wie überaus passend!“
Es stimmte, Du hattest vollkommen recht, als hätten meine Eltern es bei der Geburt irgendwie gewußt, vielleicht intuitiv geahnt, doch welch Bedeutung dieser Name noch für mich haben wird, darauf wären sie bestimmt nie im Leben gekommen. Doch ich war und bin dankbar dafür!
Wir haben meine gesamte Mittagspause zusammen verbracht, bis ich zurück mußte und Du hättest nie gedacht, daß die kleine Unternehmung an diesem Tag für ein schnödes paar Schuhe Dir die ganz große wahre Liebe bringen würde. Und ich, da wir uns auch am nächsten, übernächsten und auch die ganzen Sommerferien während meines Praktikums und auch an den Wochenenden wiedersahen, spürte von Mal zu Mal mich mehr zu Dir und Deiner redlichen, aufgeschlossenen, esprithaften, eleganten und edelmütigen Wesensart hingezogen, aber schon bald – es war wie glückselig gefügt – war unser Reden, unser Denken, unser Handeln schon so identisch, als seien die Monate schon Jahre, und die Jahre ein Lebenlang!

17.3.15 13:57, kommentieren

Den Glauben verloren(?)

Nach dem heutigen Therapietag bin ich doch, auch später, müde gegangen und noch matter im Bus zurück in die Wohnung gefahren. Schon in der Sitzreihe flogen die Gedanken hin und her, wobei ich innerlich emotional aufgewühlt verblieb, mein Körper sich anspannte als sei ich mit Draht umwickelt und meine Finger unkontrolliert am Zittern waren. Hinter der Brust begann es heftig zu pochen, ein Sturm entbrannte, ein Orkan war am Tosen und je mehr ich dachte, je mehr ich fühlte umso mehr drang eine unaussprechliche Kälte durch jeden Atemzug in mich hinein. Drum versuchte ich für Sekunden nicht zu atmen, was Blödsinn war – reinster Irrsinn -, denn ebenso konnte ich gegen das viele Denken, jede in mir wachgerufene Szene keinen Einfluß üben, bis sich dieser rauschartige, tumultentstandene Kulissenwandel in einer schweren Woge über all meinen Willen hinwegsetzte und mich in gräßlicher Unpäßlichkeit zurückließ. Als ich wieder zu atmen begann, mir einzelne Tränen zurückhielt, kam ich gleich dahinter, daß dies ebensowenig möglich war wie gegen die nach unten führende Spirale meiner Gefühle anzugehen jene sich immer weiter in die traurige Tiefe meines Herzens schraubte. Es schmerzte zusehr als daß ich stark oder selbstsicher genug sein würde, um wider dieser schwarzen Armee an Klein- sowie an Wehmut mich eines Sieges zu vergewissern. Doch wollte ich es, wollte ich wirklich obsiegen?
In mir drinnen begann ich wieder zu schreien, wo ich zuvor stumm auf der Couch saß, mir die Kehle schnürte, die Seele an den Marterpfahl band und während die Augen durch den Raum über die warmen Silberstrahlen am Fensterschein und über die harten Gesichtszüge der Therapeutin flogen mischten sich diverse Empfindungen in mein Gemüt unter. Diese ambivalenten Gefühlgrundreaktionen waren mir vertraut und gefürchtet!

Später in der Wohnung bin ich dann am Bett zusammengebrochen als ich sah, daß ich Deine Schrankseite noch immer nicht ausgeräumt hatte – was ich niemals tun werde -, obschon haben Deine Eltern einen Teil Deiner Garderobe übernommen, doch alles Wesentliche, Essentielle, durfte ich behalte, worauf ich ein Auge werfen und weiterhin in meinem Leben Dich nicht loslassen kann. Es sind doch keine Reliquien, oder?
Als ich so dalag, mattschwer und gerädert, völlig reglos und einzig gedankentief in mich hineingewandert hat es mich schlagartig zurück ins Spital geführt, wo ich die Monate zubrachte, und kaum habe ich redliche wahrnehmungsvolle oder gar bewußte Erinnerungen an die Zeit indessen ich infolge des „apoplektischer Insults“ auf der Station lag und die nahe sowie ferne Umwelt herum wie durch dickes Milchglas oder einen heftigen Fiebertraum erblickte. Da war nichts mehr, was in mir verblieb, und doch in dieser fragilen menschlichen Hülle weilte ich und schlug ein Herz!
In diesem fleischlichen Gefängnis habe ich Dich gesucht, da niemand ein Wort verlor, sich kein Mensch zu mir hinabbeugte und verriet, wo Du geblieben bist. Das Bett links war leer und auch rechts warst Du nirgends zu finden, und dabei wußte ich es ganz genau und mit diesem schaurig-dunklen Wissen in mir begraben, konnte ich weder weinen, noch mich mitteilen, als sei ich bloß ein vorübergehender Bewohner der Sterblichkeit!
Oftmals überkommt mich die Plötzlichkeit der Frage, selbst jetzt, daß ich es nicht verstehe wie es sein kann und sechs Jahre von einem Moment zum Anderen fort sind? Dies kann und will ich nicht begreifen, gar verarbeiten, in mir eine Antwort aufgreifen oder anerkennen, da es nicht sein kann oder darf. Spottet es nicht der Fügung oder hat es gerade das Schicksal in seiner demonstrativen Böswilligkeit eingerichtet? Sechs Jahre sind wir Seite an Seite gegangen, haben uns zugehört, angesehen, uns gefühlt, gespürt, uns geliebt und nun ist mir beinah als hätte ich all diese Zeit mit Dir Leesha bloß geträumt. Doch es wäre vermessen, gar beleidigend und brüsk dies zu behaupten, da jeder umhegte Gedanke, jedes gemachte Photo und so viele Zeugnisse – nicht nur hier in diesen Räumen – es realistisch belegen. Ja Leesha, es war ein Traum, doch ein realer Traum, den wir Beide im Leben täglich Seite an Seite, Hand in Hand einatmen durften. Den Himmel haben wir betreten und mehr als einen Blick uns gegönnt, denn nach dem Erwachen uns in den Augen des jeweils Gegenüber wiedererkennen machte unsere Welt heil und so perfekt!
„Erzähl mir von unserem Kind?“, hast Du mich gefragt, ganz sanftmütig und herzallerliebst, und ich wollte der Frage gar nicht ausweichen weil ich sie Dir immer wieder gern beatwortete, sie Dir schilderte wie unvergleichlich schön unsere Zukunft und unsere gemeinsame Familie sein wird.
„Wir werden ein Mädchen adoptieren“, fing ich sehnsüchtig zu schwärmen an und sah dabei das Leuchten in Deinen grünen Augen, „sie wird Mama zu Dir sagen, Dich an den langen Haaren ziehen weil sie Dich necken will, dann schlägt sie die Arme um Deine Beine weil sie noch zu klein ist um Dein Herz schlagen zu hören, aber Du nimmst sie hoch, hältst sie fest, drückt sie an Deine Brust und flüsterst ihr mütterlich ins Ohr, daß das Herz welches sie nun klopfend hört aus Liebe und aus Liebe allein für sie dahinterschlägt.“ So habe ich es Leesha mitgeteilt und sie konnte es nicht oft genug hören, von meiner Stimme jedes Wort entnehmen als seien es hochgeheiligte Zaubersprüche jene bindend sind.
Du hast Deine Finger neben meine gleiten lassen, mich angesehen als wolltest Du auf den Grund meiner Seele blicken jene wahrhaftig gläubig und zuversichtlich machte, denn Du bist stets bei mir gewesen. „Ich wünschte, ich hätte solch ein starkes Herz wie Du“, flüstertest Du mir zu.
Deine Worte, sie waren so zerbrechlich wie ein Lichtschimmer früh durchs Fenster brach, als Dein Kopf auf meiner Brust ruhte aber Dein Blick in mir alles an Vertrauen gewann. „Hab keine Angst“, sprach ich zu Dir und tippte Dir mit dem Zeigefinger verspielt auf die Nase bis Du mir ein engelhaft liebes Lächeln zeigtest. Dann hast Du Dein Kinn gehoben, dabei floh mehr als ein flüchtiger Morgenschimmer in Deinen Augenglanz als ich Dir verriet: „Ich bin nur so stark geworden weil ich bei Dir sein kann“, gab ich Dir zu verstehen und dies entsprach der reinsten Wahrheit, denn Du mochtest soviel Kraft und Überdauern in mir erkennen, dabei verdankte ich allen großen Willen und das durchsetzungsfähige Bewußtsein lediglich Dir allein, wenngleich Du oftmals zaghaft klangst und dem Irrglauben unterlegen, Du würdest die Fehler Deiner Eltern an unsrem Kinde wiederholen. „Du wirst eine ganz großartige Mutter werden“, schwor ich Dir nicht nur an diesem Tag, „denn was kann ein Kind anderes Tun als dein oftmals geprüftes, verständnisvolles Mutterherz zu lieben?“, und dabei war es mein Herz welches zu Leesha hörbar sprach, wobei ein merkliches Leuchten unter ihre Haut drang als hätte sie die hereingefallenen Lichtstrahlen absorbiert und wie eine Blume als Leben gespeichert.
Wenn ich jetzt zurückdenke, die Augen schließe und Dich vor mir sehe, Deine warme Haut noch spüre und wie Deine Finger mich berührten, höre ich auch noch die Worte jene Du hinterher zu mir rauntest. „Manchmal habe ich große Angst aber dann sagst du solch liebe Sachen zu mir und dann ist diese Angst plötzlich weg, und ich denke mir hinterher: wie dämlich ich gewesen bin überhaupt solch einer Angst nachzugeben!“

Leesha, wenn ich nun in mich hineinhorche, in mich hineinfühle, bin ich es nun der vor Angst wie gelähmt ist – es mir leid tut - weil ich meinen eigenen Worten nach alledem was voriges Jahr an traurigen Dingen geschehen ist, keinen echten kraftvollen zukunftsträchtigen Glauben mehr schenken kann!

16.3.15 22:01, kommentieren

Therapienebel

Nachmittags hieß es zur Therapie fahren. Dazu nahm ich seit der ersten Stunde den Bus, wiewohl habe ich zwar einen Führerschein aber seit dem Unfall bin ich in kein Auto mehr eingestiegen. Amaxophobie bezeichnet es meine Therpeutin. Eine Phobie neben vielen, die sich seit dem Vorfall in mir breitgemacht, entwickelt, von einem Moment auf den Anderen in mir die Oberhand gewann. Normalerweise gehe ich nicht aus der Wohnung, wozu sich meine soziale Phobie hinzugemischt hat, aber leider bin ich dazu genötigt mich nach der Krankenhauszeit für eine gewisse Stundenanzahl bei den Sitzungen einzufinden, soll sie angeblich meine jetzige Lebenssituation in vielerlei Phasen verbessern und qualitativ auf den Sprung nach Vorne bringen. Alles, bei dem Vorgespräch, hat sich angehört als erzählte sie mir auf Distanz objektiv von einem Urlaubsort, der sobald man einen Fuß wirklich an Land setzt gleich erkennt, daß die Bilder auf Prospekten nie das wahre und reale Leben wiedergeben können.
Von vorgestern auf gestern habe ich kein Auge zugetan, bin schlaflos geblieben, da in mir drinnen zuviel vorging, sich Gedanken überschlugen und Emotionen wellenhoch gebrochen sind, und auch heute Nacht ging ich erst gegen drei Uhr ins Bett. Zwar habe ich geschlafen, wenngleich doch sehr unruhig, zumal ich seit Damals erhebliche Einschlafprobleme habe und als ich im Bus saß, mir NEBELSTILLE „In Alle Ewigkeit…“ durch die Ohrstöpsel anhörte – Du hast die Songs immer sehr gemocht – fühlte sich mein Körper abgeschlagen, schlaff und wie durch den Fleischwolf gedreht an. Noch immer ist mir ziemlich flau, übel, alles wirkt bleiverkleidet als wiege ich nicht 42kg sondern schwappe wie ein Zehntonner dahin.

Als ich die Wange an das kalte Glas lehnte, dabei die Musik meinen Kopf durchrauschte, meine Seele erfaßte, war mir für die Kürze eines trägen Wimpernschlages als sehe ich Dich als Spiegelung an der Fensterscheibe wiedergegeben. Deine sanften Konturen, transparent und luzide zugleich, als seist Du eine mir geschenkte Offenbarung, die mich besucht, mir eine klar verständliche Botschaft jenseits der trauerschweren Stille schickt um mich daran zu erinnern, es muß über dem Wachsein mehr im Leben geben als überwiegend mit feuchten Wimpern aufzuseufzen.
Was hätte ich dafür gegeben Dich jetzt zu berühren, nur eine Haarspitze von Dir, da ich noch Deinen Geruch in der Nase habe, der mich nimmer losläßt als sei Dein reichblühender, kostbar gesprossener seliger Garten in meiner Seele hochgewachsen, um mir von einer golden warmen Sonne zu erzählen und mich allein durch die Vorstellung an Dich mit jedem Herzschlag weiterhin am Leben zu erhalten – ich wünschte es mir!

In der Stunde selbst, die mir durch die Ärzte auferlegt worden sind, saß ich ebenso gebrochen, schlapp, schwergelenkig auf der Couch und selbst meiner Therapeutin fiel gleich auf Anhieb auf, welch äußerst schwerfällige, vor allem matt bis sehr erschöpfte Verfassung ich vor ihr augenscheinlich aufbrachte. Rundherum ließ ich alles in Zeitlupe geschehen, zudem tat mir jeder Knochen weh, und mein Blick wirkte unscharf als wandelte ich unter Wasser, quer durch ein Aquarell, und in mir drinnen rumorte es, da ich noch nichts gegessen hatte, und auch keinen Hunger in mir aufkommen spürte. Schwammig bewegte ich jeden Schritt durch den Raum, der sich über mir mehrlagig zusammenzufalten schien.
Die Stunde verlief wie sonst auch immer, dabei habe ich kaum gesprochen, eher zugehört, doch was sollte ich von einer Person erwarten, die stupide, stoisch und rigide ihr Latein runterlaierte und keine subjektiv empirischen Kapitel miteinbringen kann? Sie hat nie den Schmerz erfahren, den ich in mir trage, den schweren Verlust gefühlt jener mich seit vorigem Jahr begleitet. Welch reife, zwischenmenschliche Empathie kann ich in einer Person erkennen, die rein aus der Fachliteratur ihr Wissen bezieht und abends heimkehrt, ihren Ehemann auf die Lippen und ihre Kinder auf die Wangen küßt, und nicht im Ansatz weis, was es heißt ein Stück seines Lebens, seines Herzens in Finsternis begraben zu sehen? Wozu ich noch zur Therapie gehe, mich mehr verschließe als öffne, ist mir selber ein nebliges delphisches Orakel, da sie nicht versteht, weil sie nicht verstehen oder sehen kann, wenn sie in Glück und Einheiligkeit, in Familienfrohsinn und Lebensliebe dahinschwebt und im selben Moment Trauerbewältigung und Traumabekämpfung zelebrieren will. Es ist heuchlerisch, gar abartig, vielleicht sogar pervers und zum Teil auch pietätlos.
Menschen, die in ihrem eigenen Leben vom Glück begünstigt sind, um sich herum Freunden die Hand geben, ihren Ehemann umarmen, ihren Kindern zart zuflüstern, können nicht im Ansatz begreifen, nachvollziehen, in ihrem Innersten erörtern wie sich ein Dasein in absoluter tristester, abgeschiedener Einsamkeit anfühlt, in dem es keine zuhörbereit Seele mehr gibt, weder Bekannte, Freunde noch ein Familienmitglied zu einem steht. Dabei ist mir nicht selten als durchschreite ich eine Wüste, in der mir sogar die Selbstgespräche zum Feinde werden und mich verfolgen.

Leesha! Heute hörte ich wieder unsere Lieder, sie – so viele Songs sind es – tragen ihre eigenen frohsinnigen Geschichten, haben ihre traut-schönen Momente und ihre glückseligen Erinnerungen, wohin ich gerne zuhinfliehe, mir darin eine Decke am Boden ausbreite und träumend daliegen möchte. Meine Wange halte ich dann an Deine, spüre Deine Wärme, Deine Nähe, all Deine Zärtlichkeit auf mich einwirken und dabei entsinne ich mich auf jeden einzelnen in meinem Gedächtnis behaltenen Tag. Danke, daß Du mir soviel unbeschreibliche Schönheiten in unserem Leben unvergeßlich gemacht hast! Die Zeit heilt keine Wunden, aber Tränen haben auf ihre Weise immer schon zum Leben dazugehört!

16.3.15 17:46, kommentieren

Unsterblich & Unvergessen

Was ist mit mir…was bloß…laß es mich wissen Zeit, laß es mich schmecken Tag und laß es mich sehen all ihr Düsterfarben, die ihr seit der Nacht über mich hinweggestiegen seid, da ich kein Auge zugemacht, für keine Sekunde, mich der Rastlosigkeit erfolgreich stellte und schlaflos die Stunden zubrachte. Was bleibt in mir außer solch eine unaufhörliche, in sich zusammengefaltete, in Bruchstücken zertrennte Uneinigkeit und sogar, wenn ich nach Atem ringe und die Zunge über die trockenen Lippen streifen lasse, ertaste ich am weichen, rosa bleiche Bogen diese Leere, bitter und unentrinnbar. Mir ist komisch, ganz seltsam, da ich für keinen Wimpernschlag Schlaf fand, an mir alles bleibeschwert und auch aus geschlagenem Pudding gemacht ist. Meine Arme sind aus Plastilin, die Hände aus nassem ungebranntem Ton und die Finger elastisch wie gekochte Nuddeln. Mein Kopf wankt und ich denke…denke…denke in so viele verschiedene Richtungen gleichzeitig, daß ich Angst und auch Befürchtung habe verrückt zu werden. Mein Bewußtsein treibt auf weiter Flur, am offenem Meere, und wann immer ich die Augen schließe steigt eine Welle der Übelkeit in mir auf, die ich unmöglich zurückdrängen kann, denn ich weis: jeder Gedanken wiegt tausendfach mehr als die Nächte davor! Soll ich es Unfrieden nennen und mit blankgezogenen Herzen darauf hoffen, daß Du Deinen Frieden im Himmelreich gefunden hast?
Der gesamte Sonntag war von grauschwangeren, tiefhängenden Schattenwolken durchzogen, der einem aschegefälligen Brautschleier der gestörten Ruhe in die bleiche Stirn hing und mir, die ich heute auf den Balkon trat, mich darniederließ und der Kälte gewahrte, wollte ich in jedem aufgekommenen stechend-raubeinigen Windstoß sowie in jedem scharf-gewetzten Wehen Leesha ganz fest und innig an meine Brust drücken.
Lange bin ich dagesessen, starr und nachdenklich auf den Fliesen, gleichgültig der Obsorge ich könnte vielleicht krankwerden, mir eine Grippe oder dergleichen einfangen, da ich mir längst geringgeworden bin, jetzt wo das Leben nach bitteren Pillen schmeckt jene ich einnehmen sollte.

Mit dieser trauerschweren Last, mein Herz, versuche ich umzugehen, stark zu sein wie Du, und nicht mit fortdauernden Tränen meine Augen zu benetzen, doch es kommt stets anders, wenn einem die einsame Wirklichkeit an solch trübgestählten Kummertagen aufsucht und völlig knechtet. Dann sauge ich wild und heftig die eisig-feuchte Luft in mich hinein als sei ein Eisblitz in meine Lunge gefahren, die die Hitze darin sofort erfriert, aber das Herz, welches sich nach Dir verzehrt, pumpt noch immens kräftig warmes Blut durch die Venen. Und mag ich auch zitternd am Balkon nach Dir Ausschau gehalten haben, ahnte ich soviel und weis umso mehr, was ich am Liebsten ungeschehen machen wollte, wo das Schicksal unser geschenktes Glück an den Pranger stellte. Mir tut der Kopf weh und immer wieder fallen mir die Augen zu, als wandelte ich mitten zwischen wirrgeratenen Nebeln, die mich packen, fortreißen, in einen Strudel werfen bis ich alle Klarheit nicht mehr erkennen kann, bis in mir solch ein eklig starkes Würgen hochgreift jenes unaushaltbar wird. Alles dreht sich, alles wendet sich von mir ab, denn die einzigen Farben um mich herum sind alle möglichen Stufen von Alltagsgrau und Lebensschwarz. Weinen – Dich darin wiederfinden -, ich kann es noch und tue es, wann immer ich darf und in der salzigen Wärme dieses seligen Behagens, trotz des schmerzlichen Vermissens, will ich nach Dir die Hand ausstrecken Leesha!
Du hast Dir nie gewünscht etwas Besonderes zu sein, obwohl Du es für mich jeden Tag gewesen bist, wann immer ich neben Dir aufgewacht bin und Du meine sonst trostlose Welt zum kosmischen Sonnenleuchten gebracht hast. Du hast Dich nie nach Anerkennung gesehnt, obschon ein einziger Kuß genügte um selbst die schüchternsten und entlegendst stationierten Engel weit droben im Himmelsglast auf uns hier auf Erden aufmerksam zu machen. Deine friedsame Schönheit, Deine harmonische Anmut brachte das fließende Silber auf den gefiederten Rücken der Engelsschwingen und das geboren reine Unschuldsweiß an die prunkvollen Himmelspforten, denn was ist schon Himmel und Erde für mich, wenn ich nur mit Dir nicht mehr zwischen diesen Welten wandeln muß? Wir erbauten unsere eigene Himmel, Tag für Tag! Freiheit und Glückseligkeit durchlebten wir stets, weil wir an uns glaubten, unsre Herzen hoch erhoben hielten, sowie vereint gegen die listigen Tücken der Menschen angingen jene uns Hürden aufstellten, um uns Fallen zu sehen. Zusammen sind wir stark gewesen, ein Bündnis seit dem ersten Tag als der grauschleierigen Regen von Deinen langen schwarzen Haaren tropfte, Deine Haut zum verführerischen Glänzen brachte und indem die feurige Glut Deiner grünen Smaragdaugen mich seit der ersten Begegnung in Bann geschlagen haben. Du, meine Liebste, hast auf mich gewartet – hast mich weder unter Druck gesetzt sondern mir die dafür nötige Zeit eingeräumt bis ich bereit gewesen bin mich Dir ganz zu öffnen -  da ich mir selber nicht vertraute, den Menschen mißtraute, die mich zuoft enttäuscht haben, und Dir erzählte ich in welch ungerechte Familie ich hineingeboren worden bin, die Werte von Herzlichkeit und Nächstenwärme für nicht wichtig oder gar empfehlensreich hielten, ging es um die Erziehung eines Kindes. Mein Kinderzimmer war ein kalter, steriler Ort, ein aus kargem Stein gemauerter Kerker, der meine Schreie von den Wänden widerhallen ließen, bis mir der scharfe Schnitt meiner Stimme das Trommelfell zum Platzen brachte, und mein Echo mich selber ängstigte. Von dieser Angst wollte ich nichts mehr wissen, Abstand nehmen, Distanz gewinnen, jahrelange Furcht und Einschüchterung gegen etwas nahe oder sogar mit Liebe selbst besiegen, da ich das permanente Versteckspiel welches mich erschöpfte satt hatte und Du mich in Deine Arme willkommen und verständnisvoll genommen hast. Bei Dir durften ich sein wer ich wollte; bei mir durftest Du sein, wer Du im Herzen immer schon sein wolltest, und indem wir uns fanden, wir im lauten Getöne von Mensch und Zeit – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – uns geschlossen für all unsere Werte, Ziele und Ideale vereint einsetzten machten wir den Schritt über die Schwelle unserer Jugend hinein ins wahre Leben erst möglich. Und es schmeckte süß nach mehr und der Heißhunger nach mehr Gemeinsamkeit wurde von Tag zu Tag unstillbarer!
Du hast Dir nie einen Namen in der Welt machen wollen, aber das lag nicht an Deinen minder gestellten Ambitionen, sondern daran, daß Du all das Glück und all die Freude schon in uns gefunden hast, wie ich all meine immer schon sehnlichst gehegten Versprechen durch Dich erfüllt gewußt habe, und in dieser heiligen und gesegneten Genügsamkeit erklangen unsere ausgesprochenen Träume salbungsvoll und herzensrein.
Dein Name sollte in meiner Welt genügen und doch will ich Dich durch meine Art indem ich von Dir schreibe, mein Herz voll unverfälschter Ehrlichkeit und aufopferungsvoller Besinnung öffne, hinaus in die Welt der wartenden Menschen tragen, die wissen sollen, daß Du – meine allerliebte Leesha – Deine Fußabdrücke hier auf Erden zweiundzwanzig Jahre lang hinterlassen hast und mein Leben mit Schätzen bereichertest.
Die Menschen sollen wissen, sollen erfahren, daß Du mitten zwischen uns geschritten bist, allein Dein strahlend-erblühtes Lächeln betonte die Farben auf den Wiesen noch kräftiger als schicktest Du ihnen Deine großzügige Helligkeit, damit sie unser aller Welt noch schöner verzauberten. Du lebtest für unsre Unendlichkeit weil wir daran glaubten, wir an die unverbrüchliche Festigkeit unsrer Liebe glaubten, daran, daß sie nichts in die Knie zwingen kann, solange wir uns standhaft verhalten, wir unsre geborenen Träume verteidigten und gemeinsam gegen das Boshafte um uns herum kollektiv vorgingen. So viele Kämpfe haben wir bestritten, innerlich und außerhalb unserer Familie, und obwohl wir viel zurückgelassen haben, sind wir uns treu geblieben, haben zu uns gehalten, das Band nicht mal einreißen lassen weil wir uns immerzu vertrauten und schätzten.
Heute war mir, wo ich halbzerfallen am Balkon saß, eingemullt in Jacke und meiner wollenen Beanie-Mütze, als sehe ich Dich neben mir sitzen. Wie in einem glasklaren und verschwommen zugleich erlebten Fiebertraum taste ich nach Deiner Hand, hauche zart, flüstere zerbrechlicher Deinen Namen mit sinnlichem Schmeicheln, denn nichts geringeres hast Du verdienst, als wahrlich in einem Gefühl weiterfort zu existieren.
Und als der Regen fiel, er seine Melodie auf der Balustrade des Balkons vollendete, folgte ich dem nassen Takt mit dem Walzer meiner Tränen und meine Brust zerschmolz, da ich Dich unglaublich vermißte und selbst jetzt in diesem Augenblick (mir zittern weiters die Finger während ich schreibe) muß ich immer wieder absetzen, seufzen, mir die Nase putzen, bis jede für Dich ehrenvoll aufgegriffene Emotion mich außerordentlich verletzlich macht. Leider habe ich nur mich selbst, sonst ist niemand geblieben wie Du weist, aber ich lernte schon während des Krankenhauses mit Alleinsein und Verlust, Isolation und unerfüllter Sehnsucht sowie dem trauernden Dorn im Herzen umzugehen, wenn es auch schwerfallen mag! Mich tröstet Leesha, wenn ich schon an Dich denken darf; wenn ich Deinen Duft in der Nase einhertrage als sei die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen zu mir ins Zimmer gestiegen, und durchtrennt es die tiefgefallenen Schatten wie ich morgens an der Jalousie die Lamellen am Fenster auseinanderklappe, dann umfängt mich eine schaurig wohltuende Hitze als müßte ich nichts mehr fürchten und darf mich ausruhen!
Leesha, ich weis, unser Unglück ist kein Einzelfall, drum sind wir nichts Besonderes, weil viele Liebende durch verschiedene Schicksalsschläge getrennt und entzweit werden, und mag es auch schmerzen zu wissen, daß sich just gerade während ich in Tränen aufgelöst sich irgendwo auf der Welt geliebte Paare zärtlich in den Armen liegen und küssen, weis ich, Du hättest es begrüßt, daß wir uns für ihr großes Glück freuen!
Du hast stets an mich geglaubt, wann ich am Boden lag, als ich meine Familie verlor bist Du bei mir geblieben, hast mir Deinen Aufwind für unsre Flügel gegeben, womit wir hoch wie die Adler geflogen sind und trotz der Schwere des Verlustes – den ich zwar bis heute nicht überwunden habe – knüpftest Du stärker das Band um unsere Beziehung und veredeltest die Schleife um unsere Liebe jene für uns Wunderherrlichkeit wiederspiegelte.
Leesha! Du bist nur für einen kurzen Moment hier auf Erden gewesen, aber wer immer das Glück und das Privileg hatte Dir begegnet zu sein, muß unweigerlich feststellen, daß er – mag es ihm selber nicht ganz bewußt sein – doch einen abgefärbten Teil von Dir weiter in diese sterbliche Welt hinausträgt!
Deine Seele ist nicht dem Tode überantwortet worden, das weis ich einfach, denn es kann kein Zufall sein, wenn ich nachts mit matttrunkenen Augen und panischen Herzen die Hand im Bett auf Deine Seite hin ausstrecke, beschützt Du mein gebrochenes Herz in Deiner seligen Ewigkeit!

15.3.15 18:22, kommentieren

Wenn ein Herz mehrfach zerbricht!

Tagebuchauszug: 14.02.2010
Oftmals wird gedacht, es kann nicht Schlimmer kommen weil der Tropfen, der das berüchtigte Faß zum Überlaufen gebracht hat, schon längst die Welle hat hochsteigen lassen, die als Flutkatastrophe über das eigene Leben hinweggespült worden ist, aber das Schicksal – dieser unholde und fatale Peitschenschlag – weis immer wieder am Besten und vor allem am Gräßlichsten zu überzeugen, indem es dies tut, was es an Schrecken und Unbarmherzigkeit am Vortrefflichsten anzurichten weis: nämlich einen Keil zwischen Zuversicht, Glauben, Glück und Hoffnung treiben!
Heute war es soweit, nach monatelangem Bangen, nach wochenlangen Beratschlagen, und die letzten Tage eingeschlossenen Zittern haben wir es meinen Eltern gestanden, daß wir nun als Frau und Frau zusammenziehen und auch unser künftiges Leben danach ausrichten wollen.
Der Schock, das Entsetzen war groß, schürte es neben Unverständnis, Ignoranz, Wut auch eine Abneigung sondergleichen gegen unsern sehnlichst gehegten Wunsch. Wir baten um nichts, weder um Geld, noch um Unterstützung, einzig um ihre Zustimmung oder besser ausgedrückt: um ihren Segen, da ich nicht auch in dieser Angelegenheit mit Mißmut, Groll sowie im Schlechten diese Trennung vorzunehmen gedachte.
Während es meine Mum sprachlos machte, ging Dad an die Decke, fuchtelte mit den Armen herum und meinte schließlich mit einem total tomatenrotem Gesicht: „Das willst du also? So willst du dir also dein Leben versauen?“, fragte er ohne mich wirklich verstehen zu wollen. Für ihn war alles, was ich eigenständig in die Hand nahm ein Rätsel, jenseits seiner Vorstellung, obwohl ich niemals utopisch handelte, sondern einzig bodenständig blieb, mit Leesha in eine Wohnung zusammenzog und wir sogar mit unsren Jobs für den eigenen Lebensunterhalt aufkamen.
„Wie kannst du sowas sagen“, entgegnete ich doch recht enttäuscht und spürte eine Schlinge sich um meine Brust, um mein Herz festziehen.
„Hast du ihm diesen Blödsinn eingeredet“, wandte er sich nun an Leesha, die unterstützend an meine Seite getreten war, wie der starke Fels.
„Diese Entscheidung haben wir zusammen getroffen“, gab ihm Leesha charaktersolide und realistisch zu verstehen und hielt dabei meine Hand.
Dad prustete die Lippen, in seinem Kopf – wir sahen es überdeutlich – begann er gegen uns zu wettern, indes meine Mum wortlos danebenstand. „Das ist doch verrückt“, fing er erneut an, tauschte einen Blick mit Mum, wobei ich Leesha an meiner Seite wußte, „zuerst erzählst du uns, daß du als Frau leben willst…was geht eigentlich in diesem Kopf vor?“, diese Frage hat er mir schon öfters vor meinen Auszug gestellt und bisher bin ich ihm immer ehrlich, aufrichtig, ohne Vortäuschung falscher Tatsachen begegnet und setzte dabei auf das gebührende Maß an Menschenvernunft!
„Sei mir bitte ein Vater“, bat ich leise, konzentriert, wobei ich Leeshas Finger etwas quetschte, und zu meiner Mum umgedreht sprach ich sodann: „Bitte Mum, wende dich nicht von uns ab“, doch sie blieb stumm, guckte mich verlassen, uneinsichtig an während Dad den Ton weiter vorgab.
„Das ist doch verrückt, was du da vorhast, du spinnst ja!“, geriet er immer weiter in Rasche, doch ich, wir – Leesha und ich – ließen uns nicht provozieren, weil wir keinen Streit vom Zaun brechen wollten, sondern in Einsicht und Klarheit unsere Situation hiermit darzustellen gedachten.
„Freu dich bitte für uns Dad“, wandelte sich meine zuvor gleichmäßige Stimme in ein Bittgesuch um. „Freut euch bitte für unser Glück, daß wir uns ein Leben aufbauen wollen, zusammen“, mehr als ein tolerantes, aufgeschlossenes Lächeln, ein paar Worte des Konsenses, um mehr bat ich nicht! Heute kämpften wir um einen gemeinsamen Nenner, darum, daß zwischen aller Feindlichkeit auch etwas Frieden für uns übrigblieb.
„Aber ich will doch Enkelkinder“, platzte es plötzlich aus meiner Mum heraus, die zuvor die gesamte Zeit über schwieg und uns fragend anstierte.
„Darüber haben Shane und ich auch schon gesprochen“, begann Leesha wortstark und besonnen und es stimmte, für Leesha und mich war das Thema „Familie“ sehr wichtig, und auch ein verantwortungsbewußter Traum, drum sprach sie weiter, „wir wollen später mal ein Kind adoptieren.“
Dad schüttelte stoisch den Kopf. „Hörst du dir überhaupt zu?“, diese Frage war an mich gerichtet und doch sah er Leesha dabei an, bis er nun seine Augen verengte und Leesha, die etwas an meiner Seite zusammengesunken war, direkt ins Verhör nahm. „Wieso willst du ein Kind adoptieren, wenn du auch selber eines kriegen kannst, das mußt du mir erklären?“, seine Stimme gewann an Fahrt, ebenso an Uneinsichtigkeit.
Mein Blick kreiste um sie, zunächst zu Mum, die wieder stumm verfiel, danach zu Dad. „Das ist nicht die Art wie wir leben wollen“, erklärte ich ihm in aller Deutlichkeit, da ich bereits vor längerer Zeit vor ihm mein „Outing“ bekanntgab, auch vor Mum, „Wir wollen als lesbisches Pärchen leben“, unterstrich ich nochmals, daß ich tief in meinem Inneren mich als Frau fühle, ich im falschen Körper geboren worden war, und Leesha mich so annimmt wie ich bin und der Frau in mir ihr Herz geschenkt hat. Leesha liebt mich als Frau - als Frau in meinem Männerkörper (niemand kann sich sein Geburtsgeschlecht aussuchen) - und weil wir uns nicht gegen die Natur unserer Bestimmung auflehnen, ausschließlich auf den wahren Ruf unsrer verbundenen Herzen hören und sie als „geoutete“ Lesbe vor meinen Eltern mich zu ihrer treuen Lebenspartnerin machen will.
„Das ist doch Wahnsinn“, rief Dad weiter aus, er verbrauchte zuviel Sauerstoff, wodurch die Röte in seinem Gesicht anstieg und seine Stimme mehr und mehr abfälliger uns gegenüber wurde. Wieso akzeptierte er es nicht? Einst hielt er mich für schwul, weil er es nicht verstand, er meine fortan geführte Lebensweise für schräg und abwegig, völlig hirnrissig hält und es bei Gott nicht versteht, wieso ich diesen Weg einschlagen muß.
„Du bist ein Mann!“, unterwies er mich mit gebotener Schärfe und ich wußte, insgeheim wollte er mich zusammenschlagen, doch er tat es nicht, vielleicht weil Leesha an meiner Seite wachte, jedoch habe ich sie nicht deswegen mitgenommen – Leesha tat es freiwillig und gerne. „Verhalte dich auch wie ein Mann. Als Lesbe leben, das ist total irre weist du das. Du verstaust dir das Leben. Was werden die Leute über dich sagen.“
„Das hat mich nie interessiert“, gab ich zu Protokoll, „wieso soll ich unglücklich leben, nur weil es die Gesellschaft von mir verlangt, wenn ich auch glücklich sein kann?“, führte ich weiter verbissen aus und blieb gewissensstark, blieb mir treu, ließ mich weder einschüchtern noch verdrängen.
„Was sagen deine Eltern dazu?“, fragte Mum aus dem Hintergrund an Leesha gerichtet, die inzwischen sich immer näher an mich herandrückte.
„Wir haben mit ihnen gesprochen sowie wir mit Ihnen hier reden und meine Eltern haben schließlich ihre Zustimmung gegeben.“ Leesha sprach die Wahrheit, zwar waren die Verhandlungen, der Dialog sehr explizit und ungewöhnlich erörtert, lang und kraftraubend, aber schlußendlich haben sie nicht nachgegeben, weil wir niemanden überzeugten, sondern Leeshas Eltern – was uns Beiden wichtiger ist – haben uns als Paar in ihrer Mitte akzeptiert und mich als gleichberechtigt in ihre Familie aufgenommen. Dies erbaten, wünschten wir uns auch von meinen Eltern.
„Warum willst du als Frau leben, du bist doch…“, fiel meine Mum wieder dazwischen – diesmal mit gebrochener weinerlicher Stimme worunter sich auch mehr als ein Anflug an Zorn mischte, weil sie in dieser Hinsicht versagte -, auch sie verstand meine Überzeugung nicht, selbst nach dem klärenden Gespräch vor Monaten, das zwar sehr dialoglastig, jedoch nicht ganz klarsichtig für sie endete und sie mich schließlich, da sie immer mehr selbstmotiviert sich in ihrer Wut verrannten, mich vor die Tür setzten. Und hier bahnte sich allmählich derselbe Verlauf kausal an.
„Mum bitte…ich kann nicht gegen meine Natur ankämpfen, das ist unmöglich“, legte ich ruhig und gedankenvoll dar. „Mir ist als sei ich bisher ein Lebenlang ein Fisch am trockenen Strand gewesen und jetzt darf ich endlich ins Wasser. Dorthin wo ich mich wohlfühle und sein kann und darf, wer ich immer schon gewesen bin. Ich fühle mich wohl, weil es das Richtige für mich ist und ich mit keiner Lüge mehr weiterleben muß.“
Leesha legte mir begleitend ihren Arm um die Taille, ich spürte ihren Beistand, sie wich keinen Zentimeter von meiner Seite. „Als ich meinen Eltern sagte, daß ich lesbisch bin, fühlten sie sich auch überfordert, alles war fremd und neu für sie, und meiner Mum machte es sogar etwas Angst und Sorge, doch wir setzten uns zusammen, redete und schnell sah sie in meinem Entschluß nichts wovor sie Furcht haben brauchte, weil ich immer noch ihre Tochter bin“, Leesha wollte sich gegen meine Eltern nicht durchsetzen, es war kein Kräftemessen, es ging lediglich um Vernunft, um Verstehen, um Empathie und sie sollten sich in uns hineinversetzen. „Shane bleibt immer noch Shane, sie möchte Sie an ihrem Glück teilhaben lassen, an unserem Glück, das wir jetzt und auch in Zukunft als Familie haben werden.“ Leesha öffnete vor ihnen ihr Herz, ihr Lächeln war rein, herzlich, die reinste Offenbarung indem sie nichts verschwieg und ihnen unsere großen erfüllbaren Pläne detailiert nahebrachte.
Kurz, für schwere tragische Sekunden, herrschte Stille, solch eine gräßlich aufgeblähte schweigsame Niedergeschlagenheit, die die Luft um uns herum greifbar machte als schwebe um uns feinster Pulverdampf und ein Funke genügte, um Gegenwart und Zukunft zur verheerenden Explosion zu bringen. Leider, wahrlich leider, geschah genau dies als meine Mum ihre Stimme erhob. „Ich versteh das Alles nicht, Shane!“
Mein Dad guckte ebenso engstirnig sowie mit fragendem Ausdruck auf Leesha und mich. „Geht mir genauso“, spuckte er aus, „ich kann dich auch nicht verstehen“, machte er seinem Gedanken Luft, fütterte den Starrsinn mit einer Überdosis Verblendung und setzte gleich wieder von Frischem an, indem er uns das Schwert brutal zwischen die Rippen stieß als er weitersprach: „und um ehrlich zu sein, es ist mir auch langsam egal. Dann versau dir doch dein Leben. Von mir aus kannst du als Frau, als Lesbe, schwul oder sonstwas leben, das ist mir jetzt sowas von egal.“
Es gibt keine Beschreibung, keinen Klang, was passiert, wenn das Herz hinter der Brust bricht, aber es geschieht und man spürt es deutlich wie einen tiefen Schnitt in seiner Welt jene zuvor hoffnungsvoll aufleuchtete und jetzt plötzlich mit Finsternis gefüllt um einen herum sich weiterdreht.
„Bitte laß uns darüber reden“, weitete ich mein Flehen aus und jeder sah nun deutlich mir die Tränen in die Augen steigen. Auch Leesha, sie war auch plötzlich vom Verlauf des Gesprächs völlig überrascht, da wir Beide meinten, wir kämen wie bei ihren Eltern auf einen grünen Zweig.
„Reden! Reden! Reden! Du willst immer nur reden! Wir haben schon genug geredet! Mach, was du willst, ist mir scheißegal!“, verwünschte uns mein Dad weiter und während er Leesha und mich wie Abfall zur Tür hinausschob, sah ich zum letzten Mal über die Schulter in das starre ausdruckslose Gesicht meiner Mum, die diesem plötzlichen sowie unschönen, leider bis heute besiegelten Abschied mit ihrem üblichen Schweigen tatenlos zustimmte. Sie hat nichts unternommen, einfach zugesehen, wie Dad Leesha und mich vor die Tür wie einen Müllsack setzte.
Als sich die Tür hinter uns schloß, das Klacken des Schlosses so endgültig mir erschien, stellte ich mir laut die Frage: „Habe ich soeben meine Eltern verloren?“ In mir ging eine Welt unter, doch auch nachdem mich Leesha auf die Wange küßte, ihr Schluchzen zerbrechlich und zugleich auch die letzten Minuten in dieser hörbaren Tragödie dunkel beschrieb, wußte ich tief in meinem Innern, daß meine Eltern schon damals, als ich ihnen mein weiteres Leben samt meinen zukünftigen privaten Werdegang eröffnete, einen breiten Graben zwischen uns entstehen haben lassen.
Während ich in meiner Schockstarre wie vom Blitz getroffen verharrte, mein Herz mir bis zum Halse klopfte, ging Leesha an die Glocke, läutete an, versuchte abermalig meine Eltern an die Tür zu holen, um doch noch die Scherben aufzusammeln. Leider blieb jedes Bemühen vergeblich!
Als wir in unsre Wohnung zurückkehrten, eigentlich schon auf der Hinfahrt, hätte ich nie gedacht, obwohl ich es in meiner düstersten Intuition nicht wahrhaben wollte, aber ich wußte: ich sah an diesem Februartag meine Eltern, die ein Teil meiner Vergangenheit sind, das allerletzte Mal!

15.3.15 05:06, kommentieren

Die Vergangenheit geht neben einen her!

Es ist selten, außer es muß sein, daß ich die Wohnung verlasse, mich nach draußen wage und so tue, mir vormache, als gehöre ich noch zu dieser lauten, behändigen, stimmgewaltigen und funktionalen Welt jene ich einst gern voller Heißhunger und mit offener Zuversicht umarmte. Mittlerweile ist viel passiert und ja, es gibt diese einschneidenden Erlebnisse, die einen unwillkürlich – langsam und stufenweisen – verändern, wie eine ein einst stolze, prachtvolle, traumhaft schön ausgebaute Sandburg durch Wind, Wetter und das Leben selbst in seinen Grundfesten erschüttert wird. Dabei habe ich mir versprochen tapfer zu sein, für sie mich weiter am Leben zu beteiligen, daß Leesha sosehr geliebt hat.
Überall, ob hier -, ob hier in der Wohnung -, oder auch wenn ich ganz unbewußt geführt die Plätze unsrer Zweisamkeit besuche, sehe ich die alte Welt – unsere Vergangenheit – wieder wie eine in meinen Gedanken, in meinem Herzen lebendig gehaltene Projektion vor mir entstehen und in dieser Dimension, die ich beinah erfassen – Dich darin berühren! – kann, ist mir als sei dieser Albtraum vom letzten Jahr nur ein plötzlich böser Anflug von Befürchtung gewesen, der verschwindet sobald ich erwache, die Augen aufmache, blinzle und tief in meinem Inneren die Wahrheit erkenne. Nur diesmal…, diesmal hat uns die Wirklichkeit eingeholt und den Park mit den lauschigen erdenen Wegen, den begrünten Fleckchen habe ich seither nicht mehr betreten; sogar den märchenhaften Pavillon ließ ich unaufgesucht jenen wir früher, in einer Zeit des Glücks und der Vollkommenheit, nicht selten für ein Picknick erwählten. Jetzt sitzen die Schatten der Vergangenheit darin, dünn und farblos, als hauchte die Gegenwart noch die letzten Restfunken ihrer Erinnerung aus, wobei ich diese noch mit Worten und Gerüchen fest in meinem Gedächtnis behalte.

Dort habe ich Dich lächeln gesehen, ein schlafloser Traum von Momenten, den Du mir geschenkt hast und in Deinen Augen spiegelte sich all die Zärtlichkeit wieder jene ich durch Dich engelhaft erfahren durfte, wann immer uns nicht mal eine Brise uns voneinander trennte. Mein Herz schlug immer heftig, immer heiß, auch nach all den Jahren – in jedem Wimpernschlag – war ich noch so verliebt wie am Tage unsrer ersten Begegnung.
Gehe ich am Pavillon vorbei, spähe von Weitem, von ganz weit hinten hinüber und auf das schönverzierte Geländer sehe ich uns noch auf der weichen Polyesterdecke sitzen, Teetrinken, Kekse naschen und ein Mal meintest Du. „Ich komme mir wirklich wie Alice bei der Teeparty vor und ich bin verrückt, verrückt nach dir!“ Deine Augen haben dabei im Tanz der Mittagssonne kosmisch aufgeleuchtet, ich habe jedes Wort behalten, in mir auf ein Samtkissen gelegt und umhegt sowie ich jedes gemeinsam erlebte Bild von Dir in meiner Gallerie an Gefühlen stets bewahren werde.
Danach hab ich Dich angelächelt, mein Herz erhoben, da solch eine berauschend anheimelnde, frohgemute Hitze durch meinen Körper schoß, die ich mir glücklicherweise zu erklären vermochte als ich Dir mit ebenso sanftmütigen Ton erwiderte: „Dann wollen wir gemeinsam verrückt werden!“ Daraufhin haben wir kurz gekichert, unsere Fingerspitzen berührt, zart und scheu, dann gewohnt und in aller stillen Verstraulichkeit.
Solch wiedererweckte Orte, solch magische Plätze gibt es viele, die wir zu Besonderheiten gemacht haben, allein weil wir dagewesen, wir mit unsrer Anwesenheit dadurch für unser Zusammensein traute, unvergeßliche Bilder geschaffen haben, Schätze an Erinnerungen und Gefühlen! Wir sind Teil eines Wunderlandes gewesen, das wir uns schufen, und Wunder haben wir im Laufe der Jahre viele gemeinsam bestaunen dürfen: aber Du liebste Leesha, warst, bist und wirst für mich immer das größte Wunder in meinem Leben sein, und meine Liebe für Dich unvergänglich!
Damals habe ich in meinem unverwundbar feenhaften Traumzustand geglaubt, wir wären vereint gegen die ganze Welt, sogar gegen das Schicksal selbst gewappnet und könnten, wenn wir nur zusammen sind, gegen jeden Sturm trotzen, der uns in seiner Allmacht entzweien will.
In unserer Liebe haben wir ein Zuhause gefunden, ein dornenloses Königreich, und niemand von uns, an keinem einzigen Tag, hätten wir von weit hinterm Horizont vermutet, daß sich unheilschwangere Schicksalswolken zusammenbrauen und unser glückseliges Licht dämpfen will.
Wahrscheinlich ist es der Fluch der Liebe das Verderben, welches auf leisen Sohlen daherschleicht, in der Sinnlichkeit von Glück und Freude nicht nahen zu sehen, bis die Dunkelheit über einen kommt und die Welt, die wir gekannt, in ein dickes Meer aus schwarzer Asche verwandelt!

14.3.15 15:05, kommentieren